Know How

Behavioral Finance – Warum wir immer wieder in die Falle tappen (Teil 6/6)

30.4.2017

Hinterher ist jeder klüger!

Nachdem die wichtigsten „Rationalitätsfallen“ dargestellt wurden, stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit in der Praxis. Gerade an der Börse zeigt sich nämlich, dass klassische Fehler immer wieder aufs Neue begangen werden. Aber auch im Alltag ist der sogenannte Rückschaueffekt zu beobachten. Fragt man heute beispielsweise einen Investor, Analyst oder Wissenschaftler, ob er den Dotcom-Crash oder die Finanzkrise vorausgesehen hat, dürfte die Antwort sehr häufig mit einem Kopfnicken bejaht werden – auch wenn die damalige Einschätzung komplett danebenlag. Woran liegt das? Hand aufs Herz: Keiner gibt gerne zu, wenn er falsch lag.

Die Gefahr dieser Neigung liegt vor allem in der Überschätzung (Overconfidence). Denn wer glaubt, er habe in der Vergangenheit vieles richtig prognostiziert, wird dies fälschlicherweise auch von der Zukunft annehmen. Ein Lerneffekt kann sich folglich nicht einstellen. Professionelle Trader und vor allem diejenigen, die es werden wollen, kommen daher nicht um ein Trading-Tagebuch herum (Schritt 8 des Trading-Plans). Erst mit dem Führen eines Journals, das alle Parameter der Trades enthält und damit die Basis für eine umfassende Fehleranalyse darstellt, lässt sich die Performance so richtig erhöhen.

Tipps für Anleger und Trader

Behavioral Finance zeigt, dass das Verhalten der Marktteilnehmer alles andere als vollständig rational ist. Emotionen und Erfahrungen spielen eine große Rolle. Die Rationalitätsfallen – z.B. das Anwenden von Heuristiken, das relative Bewerten und das Streben nach Dissonanzfreiheit – stehen im klaren Gegensatz zur Theorie des “homo oeconomicus” und machen klar, dass erst die Zusammenführung von Finanz- und Sozialwissenschaft zu einem besseren Verständnis über die Finanzmärkte beiträgt.

Der einzelne Anleger/Trader kann von den Erkenntnissen ebenfalls profitieren, denn wer typische Verhaltensfehler bei sich selbst erkennt, kann seine eigenen Entscheidungen verbessern. Gleichzeitig kann man die durch das Fehlverhalten anderer entstehenden Ineffizienzen nutzen. Per saldo gilt: Je neutraler und rationaler eine Entscheidung getroffen wird, desto besser – auch wenn wir uns der Tatsache hingeben müssen, dass wir auch in Finanzfragen wohl niemals vollständig rational handeln werden.

Die nachfolgenden Tipps sollen Anlegern und Tradern helfen, ihre Performance nachhaltig zu verbessern:

  • Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Informationen und analysieren Sie diese sehr genau.
  • Nachrichten, die schnell und einfach greifbar erscheinen, sind auch für andere leicht verfügbar. Die Gefahr, dass diese bereits in die Kurse eingeflossen sind, ist daher hoch.
  • Wenn Sie eine Meinung zu einem bestimmten Markt oder Wertpapier haben, versuchen Sie Menschen zu finden, die eine konträre Sicht haben. Marktteilnehmer, die ihren Analysen zustimmen, haben häufig die gleiche Position wie Sie selbst und sind daher alles andere als neutral.
  • Lassen Sie sich nicht von „Stimmungsmache“ ablenken, sondern treffen Sie Ihre eigene Entscheidung.
  • Sorgen Sie für eine ausreichende Diversifikation Ihrer Anlagen.
  • Gehen Sie diszipliniert vor. Setzen Sie sich bereits vor der Transaktion Kauf- und Verkaufsziele. Eine gute Trade-Planung leistet hierbei wertvolle Dienste.
  • Behalten Sie das große Bild im Auge (Signal), anstatt auf jede gerade verfügbare Neuigkeit (Noise) zu reagieren.
  • Vermeiden Sie Entscheidungen, die von Panik oder Euphorie getragen werden.
  • Erkennen Sie eigene Fehler (Tradingjournal) und sehen Sie diese als Chance an, daraus zu lernen.

Behavioral Finance – Warum wir immer wieder in die Falle tappen (Teil 5/6)

23.4.2017

Renditekiller Nummer Eins: Der Dispositionseffekt

Neben den aufgeführten Heuristiken spielt die Tatsache, dass Menschen stets relativ bewerten, eine große Rolle innerhalb der Behavioral Finance und erklärt damit zahlreiche Verhaltensanomalien.

Beispiel:

Studien belegen, dass die meisten Menschen lieber in einer Umwelt leben würden, in der sie 100 000 Euro besäßen und der Durchschnitt der Bevölkerung nur 50 000 Euro, als in einer Umwelt, in der sie 200 000 Euro, alle anderen aber noch mehr – nämlich 300 000 Euro hätten.

Die relative Wahrnehmung und Bewertung hinterlässt auch beim Investorenverhalten deutliche Spuren. Jeder Anleger hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass er Aktien, die über die Jahre hohe Kursgewinne verzeichnet haben, zu früh verkauft hat und diejenigen, die von Tief zu Tief dümpeln, noch immer besitzt. Selbst erfahrene Investoren laufen immer wieder in die gleiche Falle. Woran liegt das?

Warum verkaufen wir Gewinner zu früh, Verlierer meist zu später (oder nie)?

Die Wissenschaft erklärt dieses Verhalten wie folgt: Für den Anleger fungiert der Einstiegskurs als Bezugspunkt und definiert damit die Gewinn- und Verlustzone. Fällt der Kurs unter den Einstandswert, fällt der Verkauf des Wertpapiers deshalb so schwer, weil Gewinne und Verluste nicht gleich stark empfunden werden.

Verluste wiegen schwerer als Gewinne. So ärgern wir uns über einen Verlust von X Euro mehr als wir uns über einen Gewinn von X Euro freuen. Anfängliche Kursgewinne sorgen für Freude beim Anleger, die Intensität des positiven Gefühls nimmt jedoch mit dem weiteren Anstieg der Buchgewinne nur noch unterproportional zu. Bei zwischenzeitlichen Rückschlägen steigt daher die Tendenz deutlich an, den Gewinn mitzunehmen – meist zu früh.

Im Verlustbereich zeigt die abnehmende Sensitivität zunächst die gleiche Wirkung: Der Ärger über den ersten Euro Verlust ist am höchsten und nimmt dann immer mehr ab. Dies hat fatale Folgen, denn mit jedem weiteren Abgleiten in die Verlustzone gewinnt der Faktor Hoffnung an Bedeutung – meist mit negativem Ausgang. In der Praxis zeigt sich das in vielen Depots: Dort sind Aktien zu finden, die Kursverluste von über 80% und mehr ausweisen.

Die obige Grafik zeigt auf, wie der Mensch Wertveränderungen wahrnimmt. Der Bezugspunkt in der Mitte repräsentiert den Einstandskurs. Rechts vom Bezugspunkt zeigt sich eine positive (Gewinnzone), links davon eine negative Bewertung (Verlustzone). Mit zunehmender Entfernung vom Bezugspunkt nimmt die Bewertung eines identischen Geldbetrags ab. Zudem sieht man, dass die Wertfunktion im Verlustbereich steiler als im Gewinnbereich verläuft, d.h. Verluste werden meist stärker als Gewinne gleicher Höhe bewertet. Mit diesem Konzept lässt sich u.a. der Dispositionseffekt erklären.

Total irrational: Der Reflection-Effekt

Eine höchst irrationale Verhaltensform, die sich aus der abnehmenden Sensitivität gegenüber Wertveränderungen ergibt, ist der Reflection-Effekt. So ist hinsichtlich riskanter Alternativen zu beobachten, dass sich die Entscheider beim Übergang von Gewinnen zu Verlusten genau umgekehrt und damit in höchstem Maße irrational verhalten.

Das nachfolgende Beispiel soll dies verdeutlichen.

Es stehen folgende Alternativen zur Auswahl:

  • Fall A: Sicherer Gewinn von 1 000 Euro                                                                                                                                                                         
  • Fall B: Gewinn von 2 000 Euro mit 50 % Wahrscheinlichkeit

Welche Option würden Sie wählen? Die Mehrheit wählt A und verhält sich damit risikoavers.

Bei einer Wiederholung des Versuchs mit umgekehrten Vorzeichen – es stehen 1 000 Euro sicherer Verlust oder 2 000 Euro Verlust mit 50 % Wahrscheinlichkeit zur Auswahl – werden die Probanden überraschenderweise risikofreudig und wählen die letztgenannte Alternative! Der Grund: Der unsichere Verlust wird subjektiv weniger negativ bewertet als der sichere Verlust in Höhe von 1 000 Euro. Total irrational und gerade im Börsenhandel extrem gefährlich.

Im sechsten und letzten Teil unserer Mini-Serie werden Tipps zur Vermeidung der bisher vorgestellten Rationalitätsfallen vorgestellt.

Behavioral Finance – Warum wir immer wieder in die Falle tappen (Teil 3/6)

19.3.2017 / 15.00 Uhr

Wie uns Erfahrungen und Zufallszahlen beeinflussen

Zur Reduzierung der Komplexität eines Sachverhalts wird auch die Verfügbarkeitsheuristik eingesetzt. So hält ein Anleger, der bereits einen Aktienmarktcrash miterlebt hat, die Wahrscheinlichkeit eines Kurseinbruchs für viel höher als ein Anleger, der bisher keine derartigen Erfahrungen gesammelt hat. Um schnell zu einem Urteil zu kommen, erfolgt häufig der Rückgriff auf den „Ankereffekt“. So wird die Neigung der Menschen bezeichnet, ihre Einschätzungen mit – oftmals willkürlichen und daher falschen – Referenzwerten ihres Gedächtnisses zu verknüpfen. Dies geschieht insbesondere dann, wenn bestimmte Informationen nicht sofort eingeordnet und bewertet werden können.

Ankereffekt – das Experiment

In einem Experiment wurden Probanden befragt, wie hoch sie den prozentualen Anteil der afrikanischen Staaten an den Vereinten Nationen schätzen. Dazu wurden sie in mehrere Gruppen eingeteilt. Vor dem Beantworten der Frage wurde jeder Gruppe eine Zufallszahl zwischen 0 und 100 präsentiert. Anschließend mussten die Versuchspersonen angeben, ob ihre Schätzung über oder unter der Zufallszahl lag. In einem weiteren Schritt wurden die Teilnehmer des Experiments nach der konkreten Zahl befragt.

Hierbei zeigte sich, dass die vom Glücksrad zufällig ermittelte Zahl eine deutliche Auswirkung auf das Resultat hatte:

  • In der Gruppe, bei der die Zufallszahl 10 lautete, betrug die Antwort 25 %.
  • Die andere Gruppe, bei der die Zufallszahl 65 ermittelt wurde, kam auf einen deutlich höheren Wert von 45 %.

Welche Folgen ergeben sich aus dem Ankereffekt?

Die Orientierung an einem willkürlichen – und damit falschen – Bezugspunkt verhindert eine neutrale Bewertung und führt daher oftmals zu Fehlentscheidungen. Bei Kursprognosen dienen meist „runde“ Kursniveaus, Höchst- oder Tiefstkurse oder das aktuelle Niveau als Anker. Jüngstes Beispiel war der Dow Jones: Überall war die Rede von der 20.000-Punkte-Marke. Gleiches Spiel beim Bitcoin im Bereich 1.000 usw. Der Ankereffekt ist auch beim täglichen Einkaufen zu beobachten: Hier dient die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, die meist vom jeweiligen Händler unterboten wird, als Anker für den Kaufinteressenten.

Fazit: Empirische Untersuchungen zeigen, dass selbst Zufallszahlen die Einschätzung stark beeinflussen können – in der Regel nicht zugunsten der Entscheidungsqualität.

Im nächsten Artikel schauen wir uns an, warum wir immer wieder Zusammenhänge sehen, die es gar nicht gibt.

Die Marktstruktur unter der Lupe – Diese 4 “Jahreszeiten” müssen Sie erkennen

05.03.2017

Die nachfolgende Grafik von Alphatrends visualisiert die 4 Phasen des Marktzyklus.

Im Vordergrund stehen dabei der immer währende Wechsel von der Akkumulations- in die Distributionsphase. Wenn man an den Märkten langfristig erfolgreich sein will, muss man diesen Prozess verinnerlichen und in ein klares Regelwerk gießen. Selbst einfache Indikatoren wie Gleitende Durchschnitte genügen, um als aktiver Investor von steigenden Kursen zu profitieren, große Abwärtsphasen degegen zu meiden.

 

Market Cycles

Behavioral Finance – Warum wir immer wieder in die Falle tappen (Teil 2/6)

26.02.2017 / 15.00 Uhr

Vereinfachen und schnell urteilen – Heuristiken

Menschen, die sich am Börsengeschehen beteiligen, stehen häufig vor der schwierigen Aufgabe, in kurzer Zeit aus der Menge der Informationen richtige Schlüsse zu ziehen. Behavioral Finance beschäftigt sich daher intensiv mit der Anwendung von Daumenregeln, den sogenannten Heuristiken. Es handelt sich dabei um einen Automatismus, der zur Reduzierung der Komplexität sowie zu einer schnellen – oftmals aber nicht optimalen – Urteilsfindung eingesetzt wird. Dies kann sowohl bewusst als auch unbewusst geschehen. Im vorliegenden Beitrag blicken wir auf das sogenannte “Mental Accouting”.

Mentale Buchführung

Mit mentaler Buchführung wird die Gewohnheit des Menschen bezeichnet, die mögliche Abhängigkeit zwischen den einzelnen in Frage kommenden Engagements und Projekten zu vernachlässigen. Menschen haben daher nicht die Gesamtheit aller Projekte und deren Auswirkungen im Kopf, sondern führen mehrere separate, sogenannte „mentale“ Konten. Nachfolgend ein kleiner Test zum Mitmachen:

  • Fall A: Sie haben eine Theaterkarte zum Preis von 100 Euro erworben. Vor dem Theaterhaus angekommen, stellen Sie fest, dass Sie diese verloren haben. An der Kasse gibt es aber noch Karten der gleichen Preisklasse.
    • Würden Sie eine neue Theaterkarte kaufen und ins Theater gehen?
  • Fall B: Sie haben sich eine Theaterkarte an der Abendkasse reservieren lassen. Vor dem Theaterhaus angekommen, stellen Sie fest, dass Sie 100 Euro aus Ihrem Geldbeutel verloren haben.
    • Würden Sie in diesem Fall die Karte kaufen, wenn Sie noch noch genügend Geld dabei haben?

Aus ökonomischer Sicht sind beide Fälle identisch.

Wären wir rationale Wesen, müsste die Antwort in beiden Fällen folglich identisch ausfallen. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Mehrheit der Befragten im Fall A von einem Theaterbesuch absieht, im Fall B dagegen die reservierte Eintrittskarte einlöst! Man erkennt an diesem Beispiel, dass durch das Führen zweier separater Konten („Theaterkonto“ und „Geldkonto“) das Entscheidungsverhalten in einer ökonomisch identischen Situation unterschiedlich sein kann.

Ein Beispiel aus dem Leben eines Anlegers: Wird das Engagement in Wertpapier A und Wertpapier B (Annahme: niedrige/negative Korrelation) isoliert voneinander bewertet, könnte sich der Anleger aufgrund des hohen Risikos der beiden einzelnen Wertpapiere dazu entschließen, von einem Investment abzusehen. Dabei übersieht er natürlich den Diversifikationseffekt und verschenkt mögliche Gewinnchancen.

Im nächsten Artikel schauen wir uns an, wie uns Erfahrungen und Zufallszahlen beeinflussen.

Behavioral Finance – Warum wir immer wieder in die Falle tappen (Teil 1/6)

19.02.2017 / 15.00 Uhr

Die herrschende Kapitalmarkttheorie basiert auf der Annahme, dass alle Individuen ein rationales Verhalten an den Tag legen. Dabei wird unterstellt, dass die Nutzenmaximierung im Mittelpunkt des Handelns aller Akteure steht und Entscheidungen stets auf der Basis einer vollständigen Verarbeitung aller wesentlichen Informationen getroffen werden. Übertragen auf den Börsenhandel hieße das: Wir handeln immer völlig rational und immer mit dem Ziel, mit unserem Kauf/Verkauf von Wertpapieren Geld zu verdienen.

Schön wär`s. Wir sind keine Roboter, sondern Menschen! Wir lassen uns von der Meinung eines sogenannten “Experten” blenden, handeln hin und wieder aus Nervenkitzel oder halten an Aktien fest, nur weil wir Verluste – und damit unsere eigene Fehlentscheidung – nicht eingestehen wollen.

Der noch relativ junge Forschungszweig der Behavioral Finance, der Ökonomie mit Psychologie verknüpft, setzt genau an dieser Stelle an. Der Psychologe Amos Tversky hat mit dem späteren Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahnemann die Grundlagen für die verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung gelegt. Die Wissenschaftler machten Verhaltensmuster transparent, die bis dahin von den Verfechtern rationaler Entscheidungen ignoriert wurden. Diese Verhaltensmuster entstehen, weil das logische Denken – insbesondere in Situationen der Unsicherheit – häufig von Gefühlen überlagert und außer Kraft gesetzt wird. Nicht nur für Wissenschaftler, sondern gerade für Anleger und Trader lohnt daher ein genauer Blick hinter die Kulissen des menschlichen Handelns.

Der vorliegende Beitrag ist der erste Teil einer sechsteiligen Artikelreihe, die sich genau mit diesen Rationalitätsfallen beschäftigt und die dahinter liegenden Mechanismen aufdeckt, die viele Trader und Investoren immer wieder viel Geld kosten.

Warum sich der Trader selbst im Weg steht

Zu den wichtigsten Ursachen für das irrationale Verhalten gehören – neben der Gehirnarchitektur selbst – psychologische Beweggründe. Zum einen möchte der Mensch seine eigene Lage und die der unmittelbaren Umwelt so gut wie möglich unter Kontrolle halten. Weshalb hat der Mensch ein Kontrollbedürfnis? Die Theorie des Kontrollmotivs geht davon aus, dass jeder Mensch das Bedürfnis hat, sich als Verursacher von Veränderungen seiner Umwelt wahrzunehmen, genauer gesagt: Ein Bedürfnis, der Überzeugung zu sein, Kontrolle über seine Umwelt und sein Handeln zu besitzen. Hierdurch entsteht das Gefühl der Kompetenz und eigener Wertschätzung, was zu einer Steigerung des Selbstwerts führt. Ein Verlust der Kontrolle kann dagegen schwerwiegende negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben.

Praxisbeispiel: Viele Trader, aber auch Analysten wollen mit aller Gewalt die zukünftige Kursentwicklung voraussagen, statt einfach dem jeweiligen Markt zu folgen und sich bei Bedarf schnell anzupassen. Dabei sollte jedem klar sein, dass die krampfhafte Suche nach dem perfekten Einstieg und Ausstieg unmöglich ist – und übrigens auch gar nicht nötig, um beim Trading Geld zu verdienen.

Um dieses Kontrollbedürfnis befriedigen zu können, ist eine Auflösung sogenannter kognitiver Dissonanzen, die nach einer Entscheidung entstehen können, notwendig. Diese treten dann auf, wenn der Mensch bemerkt, dass eine getroffene Entscheidung ungünstig war. Ist dies der Fall, lässt sich die Dissonanz auf zwei Wegen verringern. Entweder wird die Entscheidung revidiert (rationale Variante) oder aber man „korrigiert“ seine Einstellung mittels selektiver Wahrnehmung so, dass die Entscheidung anscheinend nicht mehr im Widerspruch zur Realität steht.

Kognitive Dissonanzen

Nach fast allen Entscheidungen, bei denen die Wahl zwischen mehreren Alternativen bestand, geraten Menschen in einen Zwiespalt. Dieser entsteht, wenn die Alternative, für die sich die Person entschieden hat, negative Eigenschaften besitzt und die verworfene Möglichkeit auch positive Merkmale aufweist. Dieser Zustand löst ein unangenehmes Gefühl aus und wird in der Psychologie als kognitive Dissonanz bezeichnet. Die Dissonanztheorie besagt, dass jeder Mensch versucht, Unstimmigkeiten in Wahrnehmung und Denken möglichst schnell zu beseitigen, weil diese ein unangenehmes Gefühl auslösen. Je größer die kognitive Dissonanz, desto stärker der Drang, sie zu reduzieren. Besteht eine starke emotionale Bindung zwischen Entscheider und der Entscheidung selbst (hohes Commitment), kann sogar ein Rückgängigmachen der Entscheidung unmöglich werden.

Praxisbeispiel: Anleger neigen häufig dazu, schlechte Nachrichten (oder negative technische Signale) zu einer Aktie, die sie im Depot halten, herunterzuspielen/zu ignorieren, während positive Informationen übergewichtet werden. Ganz nach dem Motto: Ich suche mir die Informationen, die mir in den Kram passen. Alles andere blende ich aus. Es empfiehlt sich daher, sich hin und wieder in die Position des Gegenübers zu versetzen. Bei einer bestehenden Long-Position kann man sich in die Denkweise der Verkäufer zu versetzen. Gibt es gute Agrumente technischer oder fundamentalanalytischer Natur, warum die eigene bullishe Einschätzung falsch sein könnte?

Im nächsten Teil starten wir mit den sogenannten Heuristiken, also Daumenregeln und ihren Konsequenzen für Trader und Investoren.

“Vorsicht vor Charttechnikern” – Eine Kritik

12.2.2017 / 15.00 Uhr

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Bild von Davide Ragusa

Vergangene Woche erschien in der FAZ ein kritischer Beitrag über die Technische Analyse (hier gehts zum Originalbeitrag “Vorsicht vor Charttechnikern”). Darin beschreibt Professor Beck von der Hochschule Pforzheim, weshalb diese Disziplin aus seiner Sicht keinen Mehrwert bringt. Ein guter Anlass, sich an dieser Stelle mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nachfolgend eine kommentierte Übersicht der wichtigsten Argumente aus dem Beitrag:

“An den Finanzmärkten nennt man diese Art der Prognose „Technische Analyse“. Der Begriff bezeichnet ein buntes Sammelsurium verschiedener Techniken und Methoden, denen gemeinsam ist, dass sie versuchen, in der Vergangenheit Muster zu finden, die sich in der Zukunft so wieder ereignen werden. “

Stimmt. Mehr als die Vergangenheit steht dem Technischen Analysten nämlich nicht zur Verfügung. Das gilt auch für alle anderen Disziplinen. Was hier allerdings vergessen wird, ist die Tatsache, dass alle verfügbaren Informationen – ökonomischer, politischer und psychologischer Natur – bereits im Kurs enthalten sind, auch Insider-Informationen. Und genau das macht die Preisinformation ja so wertvoll für die Analyse!

“Verfechter der Technischen Analyse verweisen auf die Gewinne, die mancher Analyst damit macht. Doch als Erfolgsausweis taugt dieses Argument nicht, unterschlägt es doch die vielen Technischen Analysten, die mit dieser Methode eine Bauchlandung hinlegen und mit ihr Verluste machen.”

Dass 100% der Anwender der Technischen Analyse deshalb auch automatisch profitabel handeln, ist nicht der Fall. Es kommt eben auch das Können, die Kompetenz und Disziplin an. In allen anderen Bereichen ist das aber nicht anders: Ist die Schulmedizin etwa wertlos, nur weil ein Teil der Mediziner bei OPs pfuscht oder Fehler bei der Diagnose macht?

Wichtiger Punkt: Aus meiner Sicht sollte man immer auch zwischen Analyst und Trader unterscheiden! Um Geld zu verdienen, sollte man einerseits die Technische Analyse verstehen, aber auch wissen, wie man die daraus gewonnenen Erkenntnisse gewinnbringend in die Tat umsetzt. Nur weil eine Trendlinie gebrochen wurde, heißt das nicht, dass wir bereits einen erfolgreichen Handelsplan haben. Denn weder der Stop, die Positionsgröße noch die Ausstiegsmethode sind damit definiert. Genau diese Punkte machen aber den Unterschied in der Performance.

“Auch der Hinweis, dass viele Wertpapier- oder Devisenkurse den gleichen charttechnischen Gesetzmäßigkeiten folgen, taugt wenig als Beleg für die Prognosekraft der charttechnischen Methode. Unter den Milliarden täglicher Kursdaten finden sich, durch den Zufall bedingt, Kursverläufe, die sich ähneln. Als Beweis für ewige, sich immer wiederholende Muster, die auf Gottes Plan deuten, taugt das nicht. Solange hinter dem Kursverlauf keine überprüfbare Theorie steht, muss man damit rechnen, dass dies schlichtweg Zufall ist.”

Der Faktor Zufall spielt eine große Rolle, völlig richtig. Wäre der Aktienmarktverlauf aber völlig zufällig (genau das lehrt die akademische Welt unter dem Begriff “Random Walk”), sollten die Renditen eines Marktes eine perfekte Glockenkurve ergeben, also eine Normalverteilung nach Gauß. Dies ist jedoch nicht der Fall. Wissenschaftliche Studien zum Momentum-Effekt belegen dies eindeutig. Kann jeder übrigens einfach in Excel nachrechnen – Stichwort Autokorrelation.

“Da sich die Methoden der Technischen Analyse zudem ja nach eigenem Bekunden auf jede Art von Skala anwenden lassen, lassen sich je nachdem, welche Skalierung man für die Achsen wählt (Stunden, Tage, Wochen, Monate), beinahe beliebig viele Muster finden. Psychologisch betrachtet, kann man hier auf den sogenannten Bestätigungsirrtum verweisen: Wer erwartet, bestimmte Muster in Wertpapierkursen zu finden, wird diese auch entdecken und ausschließen, dass es sich bei diesen Mustern um Zufall handelt.”

Diese Aussage stimmt, jedenfalls wenn es um die Anwendung spartanischer Werkzeuge wie Trendlinien geht, die oftmals von Anwender zu Anwender anders eingezeichnet werden oder um subjektive Kursmuster, die nicht quantitativ definiert werden können. Wenn man objektive Werkzeuge (z.B. Indikatoren, Swing Points) heranzieht und diese in einem 100% sauberen Regelwerk implementiert, lassen sich wirkliche Patterns extrahieren und das psychologische Problem des “Confirmation Bias” eliminieren.

“Nun bemühen Charttechniker gerne eine Erklärung für die Wirkung ihrer Disziplin. Charts, so das Argument, spiegeln menschliches Verhalten wider, und das wiederholt sich in bestimmten Situationen. Angesichts der Verschiedenheit des Charakters und Verhaltens des Einzelnen und eingedenk der Millionen Variablen, die dieses Verhalten und sein Umfeld beeinflussen, ist das eine optimistische Annahme – abgesehen davon, dass sich auch menschliches Verhalten über die Jahre ändert.”

Genau das ist ja auch eine der Prämissen der Technischen Analyse. Sie basiert u.a. auf der Annahme, dass bestimmte Muster auftreten und sich wiederholen (nicht exakt, aber in ähnlicher Form). Dies ist auf Emotionen wie Gier und Angst zurückzuführen. Ich glaube nicht, dass sich das Verhalten der Masse (und um die geht es an den Märkten, nicht den Einzelnen) großartig verändert, dafür sind diese zu stark über zu lange Zeiträume in unserer DNS eingebrannt worden worden. Wer den Kursverlauf des Neuer-Markt-Crashes mit dem Verlauf der Tulpenblase aus dem 17. Jahrhundert anschaut, weiß, was ich meine. Leider hat die Volkswirtschaftslehre verhaltenswissenschaftliche Ansätze, die die zentrale Bedeutung der psychologischen Komponente beschreiben, viel zu lange ignoriert. Und tut dies teilweise bis heute. Schade, dass die Erkenntnisse von Daniel Kahnemann und Co. noch nicht in dem erforderlichen Maße Einzug in die Volkswirtschaft halten.

“Bleibt als letzter Trumpf in Händen der Verfechter der Technischen Analyse die Idee der selbsterfüllenden Prophezeiung. Wenn alle Marktteilnehmer aufgrund einer bestimmten Chartsituation steigende Kurse erwarten, werden sie kaufen und damit die Kurse nach oben treiben. Allein der Glaube an die Wirkungsmacht der Technischen Analyse könnte dann aus ihr eine selbsterfüllende Prophezeiung machen. Allerdings funktioniert das nur, wenn alle Marktteilnehmer die Prognosen der Chartanalyse kennen und daran glauben. Auf große Aktienmärkte wie den Dax oder auf dem Devisenmarkt, auf dem Dollar und Euro gehandelt werden, dürfte das nicht zutreffen.”

Schwaches Argument. Hierfür reicht es schließlich aus, wenn bereits ein Teil der Marktteilnehmer an die Technische Analyse glaubt und danach handelt. Dass alle Marktteilnehmer die “Prognosen der Chartanalyse kennen und daran glauben” ist so gut wie unmöglich. An den Märkten tummeln sich nämlich immer sehr viele unterschiedliche Marktteilnehmer, die a) unterschiedliche Motive haben, b) unterschiedliche Analysemethoden verwenden und c) unterschiedliche Zeitrahmen handeln. Damit ein Kurs überhaupt entsteht, MUSS es immer einen Marktteilnehmer geben, der kaufen will und einen anderen, der verkaufen will.

“Unter dem Strich ist den Ideen der Technischen Analyse darum mit großer Skepsis zu begegnen. Umso mehr erstaunt es, dass diese Disziplin so viele Anhänger hat. Woran liegt das? Zum einen dürfte der Erfolg einiger Chartanalysten alle anderen Verfechter dieser Methode blenden – auch wenn der Erfolg wahrscheinlich rein zufällig zustande gekommen ist.”

Dass diese Disziplin aber so viele Anhänger hat (man siehe sich einfach in einem Handelsraum um), liegt meines Erachtens daran, dass wenige/keine alternativen Ansätze gibt, die hundertprozentigen oder zumindest höheren Erfolg versprechen – ganz nach dem Motto “the best neighbour in a bad neighbourhood”. Oder sind Fundamentalanalysen, Konjunkturprognosen oder Astrologie usw. etwa erfolgversprechender?

“Die Evolution hat unser Gehirn geschaffen für Tätigkeiten wie Jagen oder Sammeln, aber nicht für die Jagd nach Rendite. Zinsen, Bilanzen, Wechselkurse, die richtige Portfoliokonstruktion – das menschliche Gehirn ist nicht geeignet für solche Gedankenakrobatik, und noch weniger ist es geschaffen für die Komplexität moderner Finanzmärkte.”

Korrekt, genau diese Komplexität überfordert uns als Anleger und Trader und resultiert immer wieder in Fehlentscheidungen. Gerade deshalb ist es wichtig, den Einfluss von irrationalen Verhaltensmustern auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Das geht nur mit klaren, im Vorfeld getesteten Regeln und Maßnahmen zur Begrenzung des Risikos. Und genau dafür liefert die Technische Analyse viele sinnvolle Tools.

“Wenn ein Problem zu komplex wird, suchen wir lieber nach einfachen Lösungen, um uns die Welt so zurechtzubiegen, dass wir glauben, sie verstehen und bewältigen zu können. Würde sich der Mensch eingestehen, wie hilf- und ahnungslos er dem Wüten des Zufalls ausgeliefert ist, wäre er überfordert. Also sucht er nach einem Ausweg, um die Welt in seinen Augen überschaubar und beherrschbar zu machen. Verspricht die Analyse zudem das, was wir glauben möchten, erhöht sich das seelische Wohlbefinden zusätzlich.”

Klar, wir alle suchen nach Harmonie und unterliegen dem sog. Kontrollmotiv und zwar unabhängig davon, ob wir über den Ausgang der nächsten Wahl oder die Entwicklung eines Marktes spekulieren. Wir wollen das Gefühl haben, dass unsere Umwelt zumindest teilweise in unserer Kontrolle liegt. Genau deshalb macht es eben Sinn, einen Plan zu entwickeln, der auch geeignete Maßnahmen für den Fall einer Fehlprognose enthält (wobei die Technische Analyse aus meiner Sicht keine Prognosen macht, sondern Szenarien aus der Vergangenheit ableitet). Dass der Zufall an den Märkten eine große Rolle spielt, wissen übrigens die (meisten) Trader. Sonst würden sie bei jedem Trade “all in” gehen oder?

“Hier hat die Technische Analyse Charme: Mit einfachen Werkzeugen – Lineal, Bleistift und einer Liste technischer Kursformationen – ordnet man die verwirrende Welt der Finanzmärkte. Das Chaos weicht geometrischen Formen, die unser Gehirn zufriedenstellen, das nach solchen Mustern süchtig ist.”

Hier wird mal wieder der Fehler gemacht, dass die Technische Analyse allein auf Kursformationen und Linien reduziert wird. Der Werkzeugkasten technisch orientierter Trader ist in der Realität viel umfangreicher. Dafür sollte man sich aber schon etwas tiefgründer mit dem Thema befassen. Darüber hinaus entscheidet auch die richtige Anwendung und Kombination der Werkzeuge (Stichwort “Superadditivität”) in hohem Maße über Erfolg und Misserfolg. Glauben die Kritiker der Technischen Analyse im Ernst, dass ein professioneller Prop-Trader nur mit Trendlinien und Co. arbeitet?

In diesem Sinne: Die Technische Analyse ist alles andere als perfekt und schon gar nicht eine Glaskugel, die uns sagt, was morgen oder in einem Jahr an den Märkten passieren wird. Wir werden nie wissen, was die Zukunft bringt und das ist wohl auch gut so, sonst wäre das Leben zu langweilig. Um erfolgreich an den Märkten zu agieren, muss man die Zukunft aber gar nicht kennen, es geht vielmehr um das Herausarbeiten von Wenn-Dann-Szenarien und Wahrscheinlichkeiten, die gemeinsam das Ziel haben, das Timing beim Ein- und Ausstieg zu verbessern. Perfektion ist hier gar nicht das Ziel und auch nicht möglich, weil die Kapitalmärkte kein naturwissenschaftliches Phänomen wie die Berechnung des Sonnenaufgangs sind, sondern eine massenpsychologische Veranstaltung mit diversen Rückkopplungen und Noise – vor allem auf kurzfristigen Zeiteinheiten. Dafür haben wir ja Stops und die richtige Positionsgröße. Gewisse Dinge – z.B. Trends – tauchen an den Märkten aber immer wieder auf und können deshalb profitabel genutzt werden.

Es geht also gar nicht, die Technische Analyse zum Allheilmittel zu erklären oder andere Analysetechniken zu diskreditieren. So hat die Fundamentalanalyse aus meiner Sicht neben ihren Schwächen auch Stärken. Zu ersteren gehört allerdings der Timing-Faktor. Und gerade deshalb ist hat die Technische Analyse für Trader die Nase vorn.

 

 

Monatsrenditen US-Aktienmarkt – Mit diesem Tool ist die Analyse ganz einfach!

08.01.2017 / 15.00 Uhr

Für alle, die sich mit Saisonalitäten beschäftigen und dabei keine Lust auf komplizierte Excel-Rechnereien haben, möchte ich heute ein einfaches Tool vorstellen: MoneyChimp.

Nach dem Öffnen des Links erscheint die folgende Tabellenübersicht:

moneychimp

Möchte man nun die durchschnittliche Rendite für einen bestimmten Monat berechnen, genügt ein Klick in das betreffende Feld. Fertig. Die einzelnen Ergebnisse sind unterhalb aufgelsitet, sodass man vollen Überlick behält. Dargestellt werden übrigens Daten für den S&P 500 von 1950 bis 2016.

Der Januar fiel seitdem 39 Mal positiv, 28 Mal negativ aus. Im Durchschnitt lag der Ertrag bei 0,79%.

Viel Spaß damit!

Buchtipp inkl. Angebot (nur heute gültig!): Peter Bregman

5.1.2017 / 11.50 Uhr

Zeit ist knapp, die Ablenkung so groß wie noch nie. Umso wichtiger ist die effiziente Nutzung unserer kostbarsten Ressource, der Zeit. Unsere Gewohnheiten spielen dabei eine wichtige Rolle. Anstatt guter Vorsätze sollte man darüber nachdenken, auf welche Themen man beruflich und privat den Fokus legt. Nicht viel, sondern das Wichtige sollte erledigt werden. Peter Bregman hat dazu ein aus meiner Sicht wirklich wertvolles Buch geschrieben, dass ich auch jedem Trader empfehlen kann. Er zeigt auf, welche Hindernisse uns vom Weg abbringen und wie man eine Jahres- sowie Tagesplanung richtig durchführt.

Heute erhielt ich einen Newsletter, der ein Top-Angebot enthält (nein, ich bekomme keine Provision ha ha ha): Zwei seiner Bücher gibt es für alle Kindle-Leser für 1,99 USD! Obendrauf gibt es noch ein kostenloses Webinar. Mein Tipp: Zuschlagen, lesen und umsetzen 🙂

Hier klicken

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BaFin vs. CFDs – Das müssen Sie wissen!

9.12.2016 / 18.00 Uhr

CFDs gehören seit Jahren zu den beliebtesten (außerbörslichen) Handelsinstrumenten unter privaten Tradern, weil sie einfach zu nutzen sind und einen hohen Hebel bieten. Nicht zuletzt der Franken-Schock im Januar 2015 (hier gehts zum Blog-Beitrag) hat aber zahlreiche Regulierungsbehörden in Europa auf den Plan gerufen. Sie treibt die Sorge um, dass Privatanleger trotz Verwendung von Stop Loss-Orders und des Margin-Call-Verfahrens in extremen Fällen mehr als das eingezahlte Geld verlieren können – was je nach Broker auch tatsächlich der Fall ist. Auch der Ermessensspielraum bei der Kursfestlegung ist der BaFin ein Dorn im Auge. In den USA ist der OTC-Handel von CFDs übrigens verboten, es sei denn man hat mindestens 5 Mio. USD als Absicherung auf der hohen Kante.

Interessanter Artikel zum Thema Margin Call: “Ingenieur macht aus 2800 Euro Einlage einen Verlust von 280.000 Euro”

Nachdem es in einigen europäischen Ländern (u.a. Niederlande) bereits zu CFD-Werbeverboten oder gar zum gänzlichen Verbot außerbörslicher Produkte (Belgien) kam, zieht nun auch die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) nach. Im Kern geht es darum, Privatkunden vor einer möglichen Nachschusspflicht zu schützen:

“Die Verfügung sieht eine Beschränkung der Vermarktung sowie des Vertriebs und Verkaufs von CFDs an Privatkunden vor, soweit diese Finanzinstrumente für den Privatkunden eine Nachschusspflicht begründen können. Die Verfügung stellt insoweit kein komplettes Produktverbot dar.”

Die Aktienkurse von Brokern reagierten wie es zu erwarten war – mit heftigen Verlusten. Hier der Aktienkursverlauf von CMC Markets in dieser Woche.

cmc091216Quelle: www.boerse-stuttgart.de

 

Den Entwurf der sog. Algemeinverfügung kann man auf der Website der BaFin einsehen: Anhörung zur Allgemeinverfügung bezüglich CFDs

Plane den Trade, trade den Plan – In 10 Schritten zum Erfolg.

Ein Eigenheim ist und bleibt für die meisten Menschen ein wichtiges Ziel im Leben.

Wer träumt denn nicht von einem großen Haus mit Garten? Ein eigenes Stück Erde hat in gewisser Hinsicht etwas von Freiheit und Unabhängigkeit.

Alles schön und gut – aber was hat das denn mit Trading zu tun?

Eine ganze Menge: Für die Verwirklichung des Traums vom Eigenheim bedarf es einer soliden, realistischen Planung.

Diese beginnt bereits vor dem eigentlichen Bau des Hauses und umfasst verschiedene – allen voran finanzielle – Aspekte.

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Bild von Jesse Roberts

Dasselbe gilt für den Traum, ein erfolgreiches Trader-Leben führen zu können. Auch hier geht es eigentlich um Freiheit. Und auch hier gilt: Wer sich ohne Vorbereitung und gründliche Kenntnisse in den Markt stürzt, wird bitter enttäuscht werden – analog zum Bauherrn, der ohne Bauplan und genügend Eigenkapital mit dem Bau des Dachs vor dem Ausheben des Kellers beginnt. Der nachfolgende Beitrag zeigt auf, welche Elemente ein Trading-Plan enthält, welche Vorteile er bietet und warum er eine wichtige Voraussetzung für den langfristigen Erfolg an der Börse darstellt.

Was ist ein Trading-Plan?

Trading ist kein Spaß, keine Lotterie und kein Glücksspiel. Trading ist ein Geschäft. Es geht schließlich darum, sein eigenes Kapital zu riskieren und möglichst effizient an den Märkten einzusetzen. Das einzige Ziel der Trading-Tätigkeit ist dabei die stetige, risikobewusste Erhöhung des eingesetzten Kapitals. Was sich auf den ersten ziemlich banal anhört, ist in Wirklichkeit die Basis für den Erfolg. Denn wäre das Trading reine Lotterie, dann könnte man den Erfolg nicht planen. Ginge es dagegen nur um Spaß, dann wäre ein konkreter Plan wohl überflüssig. Da es sich um ein echtes Geschäft handelt, ist die richtige Planung das A und O für den langfristigen Erfolg. Der Trading-Plan fungiert als eine Art Business-Plan, der alle Einzelheiten des Vorhabens definiert. Wie im „normalen“ Geschäftsleben werden hier alle finanziellen und organisatorischen Maßnahmen in einem Regelwerk zusammengefasst, das als roter Faden für den täglichen Kampf an den Märkten dient. Die Ausgangslage, die Ziele, die Zeit- und Ressourcenplanung, ebenso wie konkrete Umsetzungsmaßnahmen und Kontrollmechanismen. Um Missverständnissen von vornherein aus dem Weg zu gehen: Der Trading-Plan ist nicht gleichzusetzen mit einer Trading-Strategie. Letztere beschreibt lediglich eine bestimmte Handelsmethodik sowie deren Ein- und Ausstiegsregeln und ist damit nur ein Baustein von vielen innerhalb des gesamten Trading-Plans.

Wer braucht einen Trading-Plan?

Dass ein Trading-Plan allein kein Garant für Erfolg an den Märkten ist, dürfte jedem einleuchten. Es zeigt sich aber, dass aktive Trader mit einem Plan langfristig besser abschneiden, als die Mitstreiter, die ohne einen Tradingplan agieren. Warum? Ein Trading-Plan kann nicht die Zukunft vorhersagen. Er kann jedoch Strategien für Situationen bereitstellen, die nicht im Kontrollbereich des Traders liegen. Es geht also darum, die Dinge zu steuern, die man als Trader steuern kann – nämlich sich selbst. Nicht mehr, nicht weniger. Jeder Trader, der es bisher nicht geschafft hat, konsistent und über verschiedene Marktphasen hinweg profitabel zu handeln – und genau das ist bekanntlich das Ziel – , sollte also einen Trading-Plan anfertigen. Der Plan dient dabei als Landkarte und definiert die effizienteste Route zum Ziel.

Welche Vorteile hat ein Trading-Plan?

Der Einsatz eines Trading-Plans bietet eine Menge Vorteile für den Trader. Durch die vorherige Planung aller tradingrelevanten Aspekte wird die gesamte Struktur des Trading-Prozesses verbessert. So wird die Anzahl „schlechter“, sprich unnötiger Fehltrades eingeschränkt. Durch den klaren und präzisen Rahmen reduziert der Trading-Plan den psychologischen Stress und irrationales Agieren beim Handel, weil wer mitten im Geschehen keine Entscheidung abverlangt, sondern lediglich das Befolgen der zuvor definierten Regeln/Maßnahmen. Ein zentraler Punkt ist die Kontroll- und Steuerungsfunktion.

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Bild von Garret Parker

Der Trading-Plan ist vergleichbar mit einem Routenplaner, der den Autofahrer (Trader) per GPS zum Ziel führt. Eventuelle Abweichungen von der Route werden sofort sichtbar und können sofort korrigiert werden. Ohne ein funktionierendes GPS-Signal bzw. ohne Straßenschilder dürfte der Autofahrer bei fehlender Ortskenntnis nicht ans Ziel kommen, geschweige denn erfahren, woran es gelegen haben könnte. Der Trading-Plan ermöglicht zudem ein regelmäßiges Monitoring der eigenen Performance. Hierbei ist nicht nur die eigentliche Entwicklung der Trades und des Kontos gemeint, sondern vielmehr die Frage, ob der Trader sich an seine Regeln hält, also seine Disziplin. Die Analyse des Trading-Plans offenbart, womit der Trader Schwierigkeiten hat und welche Stärken er hat. Dadurch kann der Trader seine Entwicklung als Trader optimal und zeitnah mit verfolgen und bei Abkommen von der Route schnell gegensteuern.

Wie erstellt man einen Trading-Plan?

Der Trading-Plan umfasst viele Einzelelemente und sollte individuell auf die Persönlichkeit und die Ressourcen des jeweiligen Traders zugeschnitten sein, denn nur so kann sichergestellt werden, dass der Trader sich später auch an den eigenen Plan hält. Was nützt schon ein Anzug, der die falsche Farbe und Größe hat? Ein Maßanzug, der perfekt sitzt, dürfte dagegen gerne getragen werden. Hierfür werden nachfolgend 10 Module dargestellt, die als Leitfaden für die Erstellung Ihres eigenen Trading-Plans dienen sollen. Jedes Modul besteht aus mehreren Fragestellungen, die der Trader so ehrlich wie möglich für sich selbst beantworten und – ganz wichtig – auch schriftlich festhalten muss. Die Antworten sollten so präzise und detailliert wie möglich sein.

Schritt 1: Selbstanalyse

Die Psychologie der Massen zu erkennen, ist ein wichtiges Instrument, um die Mechanismen an den Märkten zu verstehen. Für das Trading selbst ist aber eines noch wichtiger: die eigene Psyche zu erkennen. Das folgende Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Wenn Sie sich selbst nicht kennen, ist die Wall Street ein teurer Ort, um es herauszufinden“. Im ersten Schritt geht es in erster Linie also darum, sich über die Ziele und die eigenen Schwächen und Stärken – sowohl mentale als auch wissensbasierte – klar zu werden. Sollte die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen sehr schwer fallen, empfiehlt es sich, mittels Paper-Trading bestimmte Verhaltensmuster herauszufinden, die die eigenen Stärken und Schwächen offenbaren. Das eigene Charakterprofil hat nämlich erheblichen Einfluss auf die spätere Wahl des passenden Trading-Ansatzes und der Zeiteinheit. Die wichtigste Hürde zwischen dem Ich und dem Erfolg an den Märkten ist die geistige Haltung. Auch wenn es banal klingt: Gerade deshalb ist es wichtig, dass man körperlich und mental gesund ist, dass der Schlaf nicht zu kurz kommt und dass man erkennt, in welchen Phasen das Trading unterlassen werden sollte. Im Trading-Plan sollte deshalb schriftlich festgehalten werden, unter welchen inneren und äußeren Umständen das Trading unterbrochen bzw. eingestellt wird.

Im Zentrum der Überlegungen stehen folgende Aspekte:

  • Warum will ich Trader werden?
  • Welches konkrete Ziel verfolge ich mit dem Trading?
  • Wie definiere ich Erfolg im Hinblick auf das Trading?
  • Gibt es Berufe, in denen ich meine Talente besser einsetzen könnte?
  • Wie steht meine Familie zu meinem Vorhaben?
  • Welcher Trading-Typ bin ich?
  • Bin ich ein diskretionärer oder mechanischer Trader?
  • Wie viel Zeit steht mir für das Trading zur Verfügung?
  • Habe ich vor, lang- mittel- kurzfristig oder sehr kurzfristig zu handeln?
  • Passt die gewählte Zeiteinheit zu meinem Charakter?
  • Welche Stärken und Schwächen habe ich?
  • Bin ich in der richtigen Verfassung, um mit dem Trading zu beginnen?

Schritt 2: Welche Ziele verfolge ich mit dem Trading?

Auch wenn es viele Gründe für das Trading gibt, ein Aspekt verbindet alle Trader: der Wunsch, mit dem Trading Geld zu verdienen. Dennoch machen sich nur wenige Trader wirklich Gedanken, wie viel Gewinn sie pro Jahr anstreben. Genau das ist aber die Grundlage für die Ableitung der Monats-, Wochen- und Tagesziele. Gleiches gilt für die Risikoseite: Jeder Trader sollte sich darüber im Klaren sein, welchen Anteil seines Gesamtvermögens er dem Trading widmen kann und welchen maximalen Drawdown er pro Jahr akzeptiert. Das Setzen von Zielen unterstützt die gesamte Planung, ermöglicht die Kontrolle der Entwicklung als Trader und steigert gleichzeitig die Motivation. Jeder Trader sollte sich daher konkrete, aber realistische Ziele setzen – nicht nur finanzieller Art, sondern auch was seine Entwicklung als Trader angeht. Die qualitativen und quantitativen Ziele sollten in Jahres-, Monats-, und Tagesziele herunter gebrochen werden. So könnte das qualitative Jahresziel eines Traders zum Beispiel lauten, eine eigene Strategie für Trend- und Seitwärtsmärkte zu entwickeln, regelmäßiges Coaching in Anspruch zu nehmen und bestimmte Literatur zu lesen. Auf quantitativer Ebene könnte das Ziel lauten, mit dem verfügbaren Kapital von X Euro jährlich Y Euro zu erwirtschaften und so weiter. Anschließend muss definiert werden, wie man diese Ziele erreichen will und welche „Belohnung“ der Trader nach Erreichen der jeweiligen Ziele erhält.

Nachfolgend die wichtigsten Fragestellungen:

  • Welche qualitativen Ziele habe ich für das kommende Tradingjahr?
  • Wie will ich mein Theorie- und Praxiswissen verbreiten und vertiefen?
  • Welches Budget will ich dafür aufbringen?
  • Welche quantitativen Ziele habe ich für das kommende Tradgingjahr?
  • Welche Ziele habe ich jeweils für die kommenden Monate?
  • Welche Wochen- und Tagesziele ergeben sich daraus?

 

Schritt 3: Auswahl der Märkte, Instrumente und Zeiteinheiten

Während professionelle Trader in der Regel nur eine überschaubare Anzahl an Märkten handeln, neigen Anfänger dazu, möglichst viele Märkte abdecken zu wollen – in der Regel nicht zu ihrem Vorteil. Im Trading-Plan muss klar geregelt sein, welche Märkte gehandelt werden. Gleiches gilt für die Wahl der Finanzinstrumente. Ob Aktien, Futures, Optionen oder Währungen gehandelt werden sollen hängt dabei in erster Linie von der Kontogröße, vom Tradingstil und der emotionalen Situation des Traders ab. Je nach Art des gehandelten Produkts sind wiederum gewisse Besonderheiten hinsichtlich Abwicklung, Handelszeiten, Kontogröße usw. zu beachten. So ist der Handel mit CFDs ist eben nicht gleichzusetzen mit Optionsscheinen, Futures sind wiederum eine andere Kategorie als Aktien oder ETFs.

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Zu den wichtigsten Fragen, die sich der Trader stellen muss, gehören deshalb:

  • Welche Märkte möchte ich handeln warum?
  • Kenne ich die spezifischen Risiken unterschiedlicher Märkte?
  • Welche Instrumente will ich handeln?
  • Welche Zeiteinheit bevorzuge ich?
  • Habe ich vor, mehrere Zeiteinheiten gleichzeitig zu handeln?
  • Welchen Broker und welche Handelsplattform passt am besten zu meinem Handelsstil?
  • Welche Software und Datenfeeds sind optimal?
  • Verfüge ich über eine passende technische Ausrüstung?
  • Wie hoch sind die Transaktions-, Finanzierungs- und Slippage-Kosten?

Schritt 4: Die Handelsstrategie

Eine Handelsstrategie ist nichts anderes als ein festes Regelwerk, das dem Trader die Reproduzierbarkeit seiner Trading-Stils ermöglicht. Eine Strategie stellt quasi den Gegensatz zum Trading „aus dem Bauch heraus“. Die Auswahl einer Strategie hängt dabei von der Marktsituation, der Tageszeit und der Zeitebene ab, die man handelt. Betrachtet man die Märkte, stellt man fest, dass es nur zwei Zustände gibt: Trendphasen und trendlose Phasen (weiter unterteilen ließen sich diese in volatilitätsarm / volatil). Damit ist bereits klar, dass jeder Trader zumindest zwei Strategien braucht, um langfristig erfolgreich zu sein.

  • Wie sieht die Strategie konkret aus, nach der ich trade?
  • Habe ich die Strategie vor dem Live-Einsatz mittels Backtesting bzw. Paper-Trading überprüft?
  • Welche Trefferquote ist bei dieser Strategie realistisch?
  • Wie hoch ist der Erwartungswert dieser Strategie?
  • Welchen Drawdown weist die Strategie im Backtest auf?
  • Welche Strategie kommt in Seitwärtsphasen zum Einsatz?
  • Welche Strategie gilt bei Trendmärkten?
  • Wie lauten die Long-Signale für die jeweiligen Strategien?
  • Wie lauten die Short-Signale für die jeweiligen Strategien?
  • Nutze ich Gaps, Ausbrüche, Retracements oder andere Einstiegstechniken?

(Sie interessieren sich für die Entwicklung von Handelsstrategien? Dann ist der Videokurs die perfekte Grundlage – mehr Infos per Email!)

Schritt 5: Die Exit-Strategie

Die Mehrzahl der Trader verbringt einen Großteil ihrer Zeit mit dem (vermeintlich) optimalen Einstieg in einen Trade. Dabei entscheidet doch der Ausstieg, ob ein Trade mit einem Gewinn oder Verlust beendet wird. Unglücklicherweise gestaltet sich ein guter Ausstieg noch viel schwieriger als der Einstieg und muss zudem strategieabhängig festgelegt werden. Der Trader sollte sich daher intensiv mit den unterschiedlichen Exit-Strategien auseinandersetzen und für jede seiner Strategien ein klares Regelwerk aufstellen, wann welche Maßnahmen zum Tragen kommen. Hierzu zählt auch die Überlegung, wann in laufende, mittels Stopp abgesicherte Trades, vorzeitig eingegriffen wird. Folgende Fragen müssen unbedingt im Trading-Plan beantwortet werden:

  • Welches Signal verwende ich für den Ausstieg aus einer Position?
  • Verwende ich technische, volatilitätsbasierte oder Zeitstopps?
  • Welche Stopp-Techniken verwende ich für die jeweilige Strategie?
  • Wie verhalte ich mich bei Trades, die in Richtung des Stopps laufen? Steige ich schon vor dem Stopp aus? Wenn ja, welche Kriterien müssen dann erfüllt sein?
  • Wie gehe ich bei Trades vor, die bereits im Gewinn notieren?
  • Wann ziehe ich meinen Stopp auf Break-Even hoch?
  • Wie errechne ich das Kursziel für einen Trade?
  • Wann verkaufe ich die Hälfte der Position?
  • Welches Kriterium muss erfüllt sein, damit die Restposition geschlossen wird?

 

Schritt 6: Risiko- und Moneymanagement

Das Risiko- und Moneymanagement stellt aufgrund seiner zentralen Bedeutung für den Trading-Erfolg den wichtigsten und umfassendsten Teil des Trading-Plans dar. Die wohl berühmteste Trading-Regel überhaupt – Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen – wird erst durch die Implementierung eines soliden Risiko- und Moneymanagements möglich. Vereinfacht gesagt umfasst das Risikomanagement umfasst alle Maßnahmen, die der Minimierung bzw. Vermeidung der Verluste dienen. Hierzu zählt in erster Linie die Frage nach dem optimalen Stop und der richtigen Positionsgröße. Das Moneymanagement ist eine Weiterführung des Risikomanagements. Der Kapitalerhalt und die Generierung von Erträgen gehören zu den wichtigsten Aufgaben des Money Managements.  Im Zentrum stehen hierbei verschiedene Modelle zur korrekten Bestimmung der Positionsgröße. Um eine optimale Positionsgröße zu erhalten, müssen das Risiko-Management und die Risikoparameter mit den verschiedenen Money-Management-Modulen zusammengeführt und regelmäßig kontrolliert werden.

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Bild von Gabriel Sanchez

Nachfolgend die wichtigsten Fragestellungen zum Thema Risiko- und Money-Management:

  • Wie stehe ich dem Thema Risiko generell gegenüber?
  • Welches Risiko birgt der Broker/die Hard- und Software und welche Absicherungen stehen für den worst case bereit?
  • Welchen Anteil hat das Trading-Kapital am Gesamtkapital des Traders?
  • Ab welchem Drawdown wird das Trading eingestellt bzw. unterbrochen?
  • Wie hoch ist das Gesamtrisiko für offene Trades?
  • Wie hoch ist das Positionsrisiko?
  • Wo werden Initial-Stopps für die jeweilige Strategie gesetzt?
  • Welche Positionsgröße ergibt sich daraus?
  • Wie hoch ist das Strategie-Risiko und wann wird eine Handelsstrategie eingestellt und überprüft?
  • Wie ist die Verfassung des Traders?
  • Wie hoch ist die Trefferquote meiner bestimmten Strategie?
  • Wie hoch ist das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV)?
  • Wann wird das Trading eingestellt?
  • Wie verhält sich der Trader nach größeren Drawdown- und Profitphasen?
  • Welches Moneymanagement-Modul kommt zum Einsatz?
  • Welche Strategien werden zur Gewinnsicherung eingesetzt?
  • Werden Methoden zur Gewinnmaximierung (Scaling-In) eingesetzt? Wenn ja, in welcher Form?
  • Wie wird die Positionsgröße bestimmt?

Nachdem bereits viele Elemente eines Trading-Plans erörtert wurden, geht es nun in die konkrete Planung eines Tradingtags. Hierbei empfiehlt sich gerade am Anfang der Trading-Karriere ein strukturiertes Abarbeiten der jeweiligen Aufgaben, so dass eine Routine entsteht.

 

Schritt 7: Vor der Eröffnung

Jeder, der einem Trader mal über die Schulter geschaut hat, wird feststellen, dass er Ruhe an den Tag legt und eine bestimmte Routine hat. Dies gilt sowohl für die Phase vor dem eigentlichen Handel, während des Handels und nach dem Handel. Wie bei anderen Berufen auch, ist eine klare Strukturierung der Aufgaben sowohl unter Effizienzgesichtspunkten als auch psychologisch betrachtet von Vorteil. Folgende Fragen sollten daher im Trading-Plan beantwortet werden:

  • Habe ich die zuletzt getätigten Trades analysiert?
  • Habe ich offene Positionen?
  • Müssen bestehende Orders angepasst werden?
  • Sind meine Charts und die verwendeten Analysetools aktualisiert?
  • Habe ich mein Scanning-Tool aktualisiert?
  • Stimmen die Abrechnungen des Brokers und der Kontostand?
  • Ist meine Internetverbindung stabil?
  • Welche Themen bewegen den Markt aktuell?
  • Habe ich mein Research durchgeführt?
  • Wie bewerte ich die aktuelle Marktstimmung?
  • Wie sehen meine Szenarien aus?
  • An welchen Stellen ergäben sich interessante Trading-Möglichkeiten?
  • Stehen heute wichtige Konjunktur-/Unternehmensdaten an?
  • Was habe ich heute vor? (Planung im Stunden-Rhythmus empfehlenswert)?

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Bild von Worthy of Elegance

Schritt  8: Die Nachbereitung

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – und genau aus diesem Grund muss im Trading-Plan festgehalten werden, welche Aufgaben nach dem Handel bzw. Börsenschluss zu erledigen sind. Das zentrale Element hierbei ist das Trading-Journal. Ohne das Führen eines Trading-Journals ist der Trader kaum in der Lage, seine Trader-Qualitäten nach möglichen Fehlerquellen beurteilen zu können und daraus zu lernen – ähnlich wie ein Fußballteam, das keine Videoanalyse ihrer eigenen Spiele vornehmen würde. Daher gilt: Alle Transaktionen, die durchgeführt, aber nicht schriftlich festgehalten wurden, sind damit als Analyseinformation unwiederbringlich verloren. Als Mindestinformationen sollten Einstieg- und Ausstiegsmarken, die Strategie, Stopps, Kursziele, Unterstützungs- und Widerstandslinien, OHLC des Tages, Dauer der Trades eingetragen werden. Nach der Fehleranalyse der Trades sollte auch festgehalten werden, welche Dinge falsch gemacht wurden und aus welchen Gründen.

  • Habe ich alle wesentlichen Informationen in mein Trading-Journal eingetragen?
  • Habe ich auch meine Gedanken und Gefühle/Stimmungen vor und nach dem Trade schriftlich vermerkt?
  • Habe ich Screenshots von den getätigten Trades gespeichert bzw. ausgedruckt?
  • Habe ich meinen Plan heute eingehalten?
  • Wenn nicht: Welche Gründe gibt es hierfür und wie will ich diese in Zukunft abstellen?

Schritt 9: Ohne Disziplin ist alles nichts

Alle bisher vorgestellten Module des Trading-Plans verpuffen wirkungslos, wenn es an einem mangelt: der Disziplin und Geduld, sich an den EIGENEN Trading-Plan zu halten. Die gute Nachricht ist, dass Disziplin antrainierbar ist. Dafür muss sich insbesondere der Trading-Anfänger zu einem Verhalten zwingen, das seinen Gewohnheiten und Überzeugungen entgegengesetzt ist. Die Umsetzung der hierfür notwendigen Maßnahmen fällt jedem Trader je nach Erziehung, Lebenserfahrung und seinen bisherigen Überzeugungen unterschiedlich schwer.  Während dies in profitablen Phasen noch relativ einfach sein mag, stellt sich die Situation in einer Drawdown-Phase schon ganz anders dar.

  • Wie stelle ich sicher, dass ich mich an den Trading-Plan halte?
  • Welche Sanktionen bestehen bei Nichteinhalten bestimmter Regeln im Plan?
  • Welche Maßnahmen ergreife ich in anderen Lebensbereichen, um meine generelle Disziplin zu erhöhen?
  • Welche Fragen stelle ich mir, nachdem ich einen profitablen/verlustreichen Trade absolviert habe?

Schritt 10: Goldene Trading-Regeln

Am Ende des Trading-Plans folgt eine Auflistung der wichtigsten Trading-Regeln. Sie dient sozusagen als kompakte Zusammenfassung der Trading-Richtlinien. Der Trader sollte hierbei diejenigen Vorsätze niederschreiben, die für ihn persönlich von höchster Priorität sind. Die nachfolgenden Regeln zählen zu den wichtigsten und bekanntesten, erfüllen aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Schütze dein Kapital
  • Setze immer einen Stopp
  • Begrenze die Verluste, lasse die Gewinne laufen
  • Trade was du siehst, nicht was du denkst
  • Laufe einem Trade niemals hinterher
  • Verbillige nie, wenn deine Position im Minus liegt
  • Führe ein Trading-Tagebuch
  • Disziplin ist alles!
  • Keep it simple
  • Trade nie während wichtiger Nachrichten usw.

Ohne Plan ist alles nichts!

Der Trading-Plan enthält nun alle wichtigen Elemente und ist damit abgeschlossen. Hier nochmal alle wichtigen Elemente:

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Dem Erfolg beim Trading steht damit nichts mehr im Weg – nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Ein Trader, der sich über die hier geschilderten Punkte Gedanken gemacht hat und diese auch schriftlich festgehalten hat, ist aber bereits auf dem besten Weg dorthin. Anstatt ständig nach dem „Heiligen Gral“ zu suchen, sollte man an seiner Persönlichkeit arbeiten und die richtigen Fragen stellen. Denn Trading ist nichts anderes, als die Kontrolle der eigenen Person.

Ohne einen Plan und geeignetes Regelwerk dürfte dieses Unterfangen kaum gelingen.

HypnoTrading – So verbessern Sie Ihre Performance

13.11.2016 / 15.00 Uhr

Hypnose genießt bei vielen Menschen noch immer einen eher zweifelhaften Ruf und wird sehr schnell in die Schublade „Esoterik“ gesteckt. Andere Menschen dagegen sind voll und ganz überzeugt von den positiven Effekten, die eine Hypnosetherapie haben kann. Nicht nur wenn es um das Aufhören mit dem Rauchen geht – auch beim Trading setzen viele Profis auf die Macht des Unterbewusstseins. Das im Januar 2016 erschienene Buch mit dem Titel „HypnoTrading“ bietet eine kurzweilige und vor allem sehr praktisch orientierte Einführung in das Thema. Wir haben uns mit der Autorin und Psychologin Catherine Scott (http://www.hypnotrading.co.uk/) über die Funktionsweise der Hypnotherapie, die Probleme beim Trading und Lösungsansätze unterhalten.  

Erzählen Sie uns von Ihrem beruflichen Hintergrund – Wie kam es, dass Sie sich als Hypnotherapeutin auf das Trading spezialisiert haben?
Catherine Stott: Ich arbeitete für ein Forschungs- und Technologie-Unternehmen als Psychologin und entschied mich dann für die Hypnotherapie, weil ich direkt mit Menschen und ihren persönlichen Herausforderungen arbeiten wollte. Im Jahr 2010 arbeitete ich mit meinem ersten Trader und lernte dabei sehr viel über die Thematik und die Ergebnisse unserer Zusammenarbeit waren großartig. Ich schrieb einen Blog-Artikel über ihn und erhielt daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Tradern. Nach der Geburt meiner Kinder beschloss ich, mich mehr auf das Trading zu spezialisieren, weil ich es faszinierend fand und wirklich genoss, Tradern zu helfen, ihre  Schwierigkeiten beim Handel zu überwinden. Im Jahr 2014 habe ich HypnoTrading ins Leben gerufen, um meine Dienstleistungen Tradern Verfügung zu stellen, die vielleicht noch nie etwas von Hypnose und NLP gehört hatten und wie diese Ansätze ihre Performance verbessern können.

Viele Menschen stecken Hypnose noch immer in die “esoterische Ecke”. Was genau ist die Hypnotherapie und welche Ziele verfolgt sie?

Catherine Stott: Hypnose und Hypnotherapie sind stark im Kommen, das sieht man an den zunehmenden Forschungsaktivitäten im Bereich der Neurologie und praktischer Anwendungsmöglichkeiten. Die Zahl der Hypnotherapeuten in medizinischen Einrichtungen steigt, gleichzeitig werden weltweit immer mehr Menschen in diesem Bereich ausgebildet. Hypnotherapie ermöglicht es einer Person, eine Reihe positiver Veränderungen zu schaffen. Verschiedene therapeutische Techniken, die im Hypnosezustand eingesetzt werden, dienen hierbei als Unterstützung. Das Ziel der Hypnotherapie ist die Befähigung des Individuums, die selbst gesteckten Ziele und Ergebnisse zu erreichen. Am bekanntesten ist der Einsatz der Hypnotherapie als Unterstützung bei der Gewichtsabnahme oder beim Aufhören mit dem Rauchen. Sie ist aber auch sehr effektiv beim Umgang mit Stress und Angst, schlechter Stimmung, Traumata und medizinischen Problemen wie RDS (Reizdarmsyndrom).

Die anderen Arten der Therapie nennen sich NLP und Havening – können Sie diese auf kurz und einfach erklären?

Catherine Stott: NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) nutzt eine Reihe von Prinzipien und Techniken, um einer Person bei der Veränderung ihrer Wahrnehmung und Denkweise zu helfen. Ich verwende NLP zum Beispiel oft bei Tradern, um ihnen dabei zu helfen, ihre eigene Reaktion zu beobachten, wenn sie Geld verlieren.

Havening ist eine relativ neue psychosensorische Therapie, die auf der Kraft der Berührung basiert. Wenn wir Stress oder Trauma erleben, setzt unser Körper negative Hormone frei, die wiederum beeinflussen, welche Gefühle wir haben, zum Beispiel Angst. Beim Havening verwendet man daher Berührungen, um die Produktion von Serotonin zu stimulieren. Serotonin ist das „Glückshormon“ des Gehirns, das Stresshormone hemmt. Ich lehre Händler Havening, um ihnen zu helfen, Gefühle der Angst zu reduzieren, große Verluste zu überwinden und an ihrer geistigen Haltung zu arbeiten. Dies ist eine stark vereinfachte Erklärung, interessierte Leser können aber auf www.havening.org mehr zu dieser Therapie erfahren.

Wie sieht der typische Therapieprozess aus, wenn ein Trader einen Hypnotherapeuten wie Sie besucht?
Catherine Stott: Ich mache am Anfang immer eine kostenlose Beratung mit der Person, damit ich  ihre Herausforderungen kennen lerne. Hierzu gehört nicht nur das, was im Handel selbst geschieht, sondern auch ihre persönliche Lebenssituation und -geschichte. Auf dieser Grundlage kann ich dann einen individuellen Plan erstellen, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ich spreche mit dem Händler über diesen Plan und stelle sicher, dass er versteht, was ich von ihm während des Prozesses erwarte. Es ist kein Zauberstab, Sie müssen sie bereit sein, hart zu arbeiten!

Was sind erfahrungsgemäß die wichtigsten Herausforderungen für Trader?
Catherine Stott: Angst und Stress sind ein massives Problem. Schlechte Entscheidungsfindung und der Faktor Vertrauen spielen auch eine Rolle. Die meisten Fehler, die Händler machen oder Probleme, mit denen sie konfrontiert werden, haben auf eine oder andere Weise mit den eben genannten Themen zu tun. Ich arbeite mit Tradern nicht nur, um ein unmittelbares Problem zu überwinden (z.B. Zögern bei Eingehen eines Trades), sondern auch, um herauszufinden, was sich hinter dem jeweiligen Problem verbirgt. Ich gehe der Ursache auf den Grund.

Viele Trading-Bücher trichtern uns ein, dass wir ohne Emotionen handeln sollten, um erfolgreich zu werden. Sie widersprechen hier eindeutig…
Catherine Stott: Das ist ein sehr interessanter Diskussionspunkt! Meiner Meinung nach geben uns unsere Gefühle Feedback darüber, was in unserer Umwelt geschieht. So ist der Mensch beispielsweise darauf programmiert, Angst zu erfahren, um Gefahren zu meiden, die möglicherweise lebensbedrohlich sein könnten. Im Handel müssen Sie daher Ihre emotionale Reaktion verstehen und lernen, diese auch zu kontrollieren. Ich denke, wenn die Leute sagen, sie handeln ohne Emotionen, bedeutet das in Wirklichkeit, dass sie ihre Emotionen kontrollieren. Manche Menschen erleben extreme Angst während Handels. Natürlich ist dies nicht gerade eine gute Sache. Aber diese Angst sagt dem Trader etwas – nämlich, dass er ein Problem hat, das gelöst werden muss! Und dass er sein Angstlevel reduzieren muss.

Ihr Buch “HypnoTrading” lehrt eine Reihe von Selbsthilfe-Lösungen für Trader. Können Sie uns ein oder zwei Beispiele für einfache Methoden geben, die jeder einsetzen kann, um seine Ergebnisse zu verbessern?

Catherine Stott: Ja, sicher. Die erste einfache Methode ist, an der eigenen Atmung zu arbeiten. Richtiges Atmen verbessert den Sauerstoffspiegel im Körper und im Gehirn, d.h. sie können richtig denken und sich besser konzentrieren. Gleichzeitig verlangsamt sich auch Ihre Herzfrequenz, sodass Sie ruhig und entspannt bleiben können. Atmen Sie ein, während Sie bis 4 zählen und atmen Sie aus, während sie bis 8 zählen. Sollte 8 zu lang sein, zählen Sie bis 6 und bauen Sie die Länge des Ausatmens Schritt für Schritt aus.
Als zweite Methode können Sie Affirmationen nutzen. Dies sollten starke Absichtserklärungen als Händler sein. Ich biete allen Händlern einen kostenlosen, fünfseitigen Guide auf meiner Website an. Einige Beispiele sind:

“Ich verdiene Erfolg.”
“Ich begrüße Fülle und Geld in meinem Leben.”
“Ich akzeptiere Verlusttrades und nehme sie als Chance wahr, zu lernen und mich weiterzuentwickeln.”

Vielen Händlern fehlt es an Disziplin. Wie kann dieses spezifische Problem gelöst werden? Gibt es hierfür spezielle Techniken?
Catherine Stott: Zunächst muss man herausfinden, was Disziplin für den jeweiligen Trader exakt bedeutet. Liegt es zum Beispiel daran, dass er sich nicht an sein vorher definiertes Regelwerk hält? Oder hat er gar überhaupt kein Regelwerk? Sobald man das Verhalten analysiert, bekommt man ein Verständnis dafür, was vor sich geht und welche Veränderungen vorgenommen werden müssen. Für Trader, die selbständig an ihrer Disziplin arbeiten möchten, biete ich im Member-Bereich meiner Website kostenloses Material („Consistency Challenge“ und „100 days towards financial freedom“) zum Download an. Es gibt viele Techniken, die geeignet sind, die Disziplin zu steigern, es gibt aber keinen “one size fits all” -Ansatz.

Sprechen wir nun über Praxisbeispiele, die viele unserer Leser sicher schon einmal selbst erlebt haben dürften. Wie sollte für den Tag ein Day-Trader vorbereiten und was sollte er während des Handels zu tun? Welche Routine würden Sie empfehlen und warum?

Catherine Stott: Mentale Vorbereitung vor dem Handel ist von entscheidender Bedeutung. Das Erste, was ich empfehlen würde, ist daher eine kurze Hypnose-Sitzung, die dafür sorgen soll, dass der Trader seinen „Ballast“ an der Türschwelle abwirft. Ziel ist also, keine anderen Probleme mit in den Handelsraum zu nehmen. Zweitens empfehle ich, zu verstehen, was Sie für den Tag erreichen möchten. Die Ziele müssen dabei realistisch und flexibel sein. Als dritten Punkt empfehle ich die Visualisierungstechnik, bei der der Trader sich selbst sieht, wie er sein Ziel erreicht und wie gut er sich dabei fühlt.

Was sollte ein Trader tun, wenn er Angst hat, den nächsten Trade zu eröffnen, weil er zuvor einen Drawdown erlitten hat?

Catherine Stott: Er muss in der Lage sein, mit Verlusttrades umzugehen diese schnell zu bewältigen. Wenn ein Trader zu viel Angst erlebt, könnte es sinnvoll sein, den Handel für diesen Tag zu beenden. In meinem Buch „HypnoTrading“ werden viele Techniken vorgestellt, die Trader verwenden können, um sich wieder zu beruhigen und neu zu fokussieren. Es ist auch von entscheidender Bedeutung, Verlust-Trades anzugehen – vor allem, wenn dieser Verlust für von signifikanter und traumatischer Bedeutung für den Trader war.

Was würden Sie einem Trader empfehlen, der immer wieder zu früh aus profitablen Trades aussteigt?
Catherine Stott: Das ist ein massives Problem für viele Händler. In vielen Fällen ergibt sich dieses Verhalten aus schlechter Zielsetzung und Gier. Was ich damit meine ist, dass viele Händler das Ziel verfolgen, den maximal möglichen Profit rauszuholen, anstatt einen Betrag X an Profit zu realisieren. Weil das normalerweise mit dem Faktor Angst verbunden ist (Angst, das Geld zu verlieren oder Geld zu gewinnen), tendieren Trader zu Panik, steigen verfrüht aus und regen sich dann im Nachhinein darüber über dieses Verhalten auf. Wenn ein Trader sich ein realistisches Ziel setzt, dann ist dieses leicht zu erreichen. Das Vertrauen wächst, die eigene Fähigkeiten steigen und als Folge dessen auch die Profitabilität. Trader müssen also ihren Fokus weg von einer vagen Vorstellung eines Maximalgewinns hin zu einer akzeptablen Gewinnhöhe richten.

Und was empfehlen Sie einem Trader, der Probleme mit dem Ausstieg aus Verlust-Trades hat?

Catherine Stott:  Das kommt immer auf das “Was wäre wenn”-Element an und die Hoffnung/Verzweiflung, dass der Trade doch noch dreht. Ebenso auf den Mangel an Entschlossenheit, Zögern und natürlich den Faktor Disziplin. Aus Erfahrung weiß  ich, dass Händler, die entweder kein oder nur ein völlig unangemessenes Risikomanagement haben, diejenigen sind, die mit diesem Problem zu kämpfen haben. Was man also zunächst braucht, ist eine solide Risikomanagement-Strategie und eine gute Zielsetzung. Dann muss der Trader daran arbeiten, seine Entscheidungskraft zu steigern. Suchen Sie sich also eine Handlung aus und ziehen sie diese durch. Beispiel: Sie entscheiden sich für ein Risiko pro Trade von 1,5 Prozent und halten sich Trade für Trade daran. Sie müssen akzeptieren, dass Sie niemals wissen können, wie ein Trade ausgehen wird. Nur eines können Sie wissen: den Betrag, den sie zu riskieren bereit sind. Das gleiche gilt für das Gewinnziel. Das Risiko ist Realität, die Angst ist in Ihrem Kopf. Wenn Sie die ganze Zeit Angst haben, etwas zu verpassen, dann werden Sie unweigerlich größere Verluste anhäufen, indem Sie etwas nachjagen, das noch gar nicht existiert und eventuell auch nie existieren wird.

Affirmationen und Visualisierung des Verhaltens, das Sie anstreben und eine exzellente Planung in Kombination mit Tools wie der zuvor erwähnten „Consistency Challenge“ können hier Abhilfe schaffen. Es ist und bleibt harte Arbeit, aber Hypnotherapie kann diese einfacher machen und Tradern die mentale Einstellung und das Vertrauen geben, um ihnen bei der Verbesserung der Trading-Performance zu helfen. Ich biete ein MP3-basiertes Programm an, das Lösungsansätze gegen das Zögern-Problem aufzeigt. Viele Trader sagen mir, dass es ihnen dabei geholfen hat, entscheidungsfreudiger sowohl beim Ein- als auch Ausstieg zu werden und dass diese verbesserte Entschlossenheit dazu führt, dass sie Geldbeträge, die einem Risiko ausgesetzt sind, geschützt werden und die Anzahl der profitablen Trades steigt.

Ohne die Analyse des eigenen Handels und Selbstreflexion ist eine Verbesserung der Performance ausgeschlossen. Hierbei spielt das Trading-Journal eine zentrale Rolle. Welche mentalen bzw. psychologischen Aspekte sollten hier notiert werden?

Catherine Stott: Dokumentieren Sie dort, was in Ihrem Leben passiert, wie Sie sich von Tag zu Tag fühlen – sowohl physisch als auch geistig und emotional. Schauen Sie dann, wie Sie gehandelt haben: die guten und die schlechten Entscheidungen sowie die Trades, die zwar keine Fehlentscheidung, aber dennoch ein Verlust waren. Sie werden langsam beginnen, bestimmte Muster zu erkennen. Ich habe mit einem Trader gearbeitet, dessen Vater kurz vorher verstorben war. Er war sich nicht bewusst, wie seine Trauer seinen Handel beeinflusste, weil er der Überzeugung war, diese beiden Dinge trennen zu können. In Wirklichkeit konnte er es eben nicht und es ist auch sehr schwer zu schaffen. Also arbeiteten wir in der Zwischenzeit gemeinsam daran, ihm durch ihre Trauer zu helfen und Schutzstrategien zu entwickeln. Ich würde auch immer schriftlich festhalten, wie ich mich nach jedem Trade gefühlt habe, ob ich dachte, meine Haltung positiv oder negativ war und ob ich im Anschluss gute Entscheidungen getroffen habe.

Wie sollten sie kategorisiert werden, um eine sinnvolle Analyse im Anschluss zu ermöglichen?

Catherine Stott: Ich glaube nicht, dass es hier ein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Ich denke, wenn Sie die wichtigen Aspekte dokumentieren und anschließend reflektieren, was Sie notiert haben, erkennen Sie die Antwort ganz von alleine. Machen Sie es sich nicht zu kompliziert.

Sehen Sie einen großen Vorteil darin, wenn Trader vom diskretionären hin zum algorithmischen Trading wechseln? Ist letzteres die perfekte Lösung für psychologische Herausforderungen?
Catherine Stott: Verschiedene Stile und Methoden passen zu verschiedenen Menschen. Für manche Menschen passt der Handel auf kürzeren Zeitebenen, für andere ist wiederum die längere Time Frame eher geeignet. Für manche ist diskretionäres Trading das Richtige, für andere dagegen algorithmischer Handel. Aus diesem Grund ist es so wichtig, verschiedene Trading-Stile zu erforschen und mit verschiedenen Coaches zu arbeiten, um herauszufinden, welche Art für Sie die richtige Lösung ist.

Letzte Frage: Sind Hypnotherapeuten gute Händler? 😉
Catherine Stott: Die besten natürlich 😉 … wahrscheinlich.

 

KNOW HOW 07: MACD (Moving Average Convergence Divergence)

MACD (Moving Average Convergence Divergence)

Egal, ob man als Trader Trendlinien oder Kursmuster nutzt – der subjektive Faktor spielt immer mit und sorgt dafür, dass die Ergebnisse nicht immer optimal ausfallen. Eine Alternative, die hier Abhilfe schaffen kann, ist die Nutzung von technischen Indikatoren. Diese werden mithilfe klarer mathematischer Formeln aus Kurs- oder Volumendaten berechnet und lassen sich damit auch backtesten. Die ersten Indikatoren wurde bereits in den siebziger Jahren – damals noch von Hand – berechnet und entwickelt.

Der MACD gehört wie der RSI (siehe hier) zu den wohl bekanntesten Indikatoren in der Technischen Analyse.

Der MACD im Detail

Der Moving Average Convergence Divergence-Indikator, kurz MACD, wurde von G. Appel bereits Ende der siebziger Jahre entwickelt und gehört zu den Trendfolgeindikatoren. Die Berechnung des MACD basiert auf verschiedenen gleitenden Durchschnitten und ist daher alles andere als kompliziert:

  • Im ersten Schritt werden zwei unterschiedlich lange exponentielle gleitende Durchschnitte (sogenannte EMAs) berechnet.
  • Hierbei werden in der Standardeinstellung für den kurzen Durchschnitt 12 Perioden verwendet, für den langen 26 Perioden.
  • Die Differenz beider Durchschnitte ergibt dann die MACD-Linie.
  • Im zweiten Schritt wird die sogenannte Signallinie berechnet, die einen exponentiell gewichteten Durchschnitt (Standareinstellung: 9 Perioden) der MACD-Linie darstellt.

Vereinfacht ausgedrückt: Wir messen die Differenz zweier Durchschnitte (kurz und lang) und legen dann nochmal einen Durchschnitt darüber.

Der MACD kann für verschiedene Analysezwecke verwendet werden. Als Trendfolgeindikator, der die Hoch- und Tiefpunkte des Basiswertes nachvollzieht, liefert er vielfältige Informationen hinsichtlich Trendrichtung, Trendstärke und Ausbildung möglicher Wendepunkte im Chart. Die Lage des Indikators zur Nulllinie zeigt an, ob ein positiver oder negativer Trend vorliegt:

  • Ein Aufwärtstrend liegt vor, wenn der MACD über der Nulllinie notiert
  • Ein Abwärtstrend liegt vor, wenn die MACD-Linie unter der Nulllinie notiert

Konkrete Handelssignale liefert der Indikator, wenn es zu einem Schneiden beider Linien kommt:

  • Ein Kaufsignal entsteht, wenn die schnellere MACD-Linie die langsamere Signallinie von unten nach oben schneidet.
  • Ein Verkaufssignal entsteht, wenn die MACD-Linie die Signallinie von oben nach unten schneidet.

Eine zusätzliche Information liefert die Entfernung des Indikators zur Nulllinie.

Je größer der Abstand, desto höher ist die Stärke des Trends einzustufen. Liegt also der MACD über der Nulllinie und steigt, zeigt dies ein steigendes Momentum im Aufwärtstrend. Ein fallender MACD über der Mittellinie dagegen zeigt dagegen eine nachlassende Intensität des Aufwärtstrends an. Umgekehrt gilt natürlich: Ein fallender MACD unter der Mittellinie zeigt zunehmende Stärke im Abwärtstrend an, ein steigender MACD unter der Mittellinie zeigt nachlassende Intensität des Abwärtstrends an.

Hier ein einfaches Beispiel beim DAX Wochenchart:

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Eine wertvolle Ergänzung des MACD-Indikators ist die Darstellung des Histogramms, welches den Abstand der MACD-Linie zur Signallinie grafisch in Form von senkrechten Balken darstellt. Steigt im nachfolgenden Wochenchart also der aktuelle Balken gegenüber dem Vorbalken, heißt das, dass die Trendstärke zunimmt. Hierdurch werden oftmals bereits vor den eigentlichen Kreuzungssignalen Warnhinweise generiert.

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Divergenzen als Warnsignal für einen bevorstehenden Trendwechsel

Eine beliebte und interessante Einsatzmöglichkeit des MACD ist die sogenannte Divergenzanalyse. Aufgrund seiner Eigenschaft als Trendfolger vollzieht der MACD die Hoch- und Tiefpunkte des Basiswertes nach. Als „gesund“ ist die technische Lage einzustufen, wenn der betreffende Basiswert (z.B. eine Aktie oder ein Index) sich im Einklang mit dem MACD bewegt. Hin und wieder ergeben sich jedoch sogenannte Divergenzen zwischen dem MACD und dem Kursverlauf des Basiswertes.

Divergenzen deuten auf Schwächen im vorhandenen Trend hin und signalisieren einen bevorstehenden Trendwechsel. Als negative (bearishe) Divergenz wird eine Situation bezeichnet, wenn der Basiswert im Aufwärtstrend einen neuen Hochpunkt ausbildet, der Indikator jedoch unter seinem vorherigen Hochpunkt zurückbleibt. Eine positive (bullishe) Divergenz ist gegeben, wenn der Basiswert im Abwärtstrend einen neuen Tiefpunkt ausbildet, der unter dem vorherigen Tiefpunkt liegt. Anstatt diesen neuen Tiefpunkt nachzubilden, bleibt der MACD jedoch bleibt über seinem letzten Tiefpunkt. Der nächste Chart – ebenfalls der DAX Wochenchart – zeigt, wie wertvoll die Divergenzanalyse bei der Erkennung von Wendepunkten sein kann.

Sowohl beim Boden 2003 (positive Divergenz, grün markiert), als auch 2007/2008 (negative Divergenz, rot markiert) waren Divergenzen zu beobachten. Am Ende der Crash-Bewegung Ende 2008 bzw. Anfang 2009 dann wieder positive Divergenzen.

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Viele Fehlsignale in trendlosen Phasen

Der MACD nimmt eine Sonderstellung unter den Indikatoren ein, weil er einerseits einem Oszillator ähnelt, der um die Mittellinie schwingt und oszillatortypische Handelssignale erzeugt, andererseits ist er aufgrund der Verwendung der gleitenden Durchschnitte ein trendfolgender Indikator. Gerade diese Kombination macht ihn zu einem der beliebtesten Indikatoren in der technischen Analyse.

Nichtsdestotrotz: Den positiven Eigenschaften stehen auch Nachteile gegenüber. Der wesentliche Nachteil des Indikators kommt in trendlosen Phasen zum Vorschein. Hier liefert der MACD häufig Fehlsignale und erweist sich in der Praxis als nicht profitabel.

Auch wenn der MACD schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat: Für Trendfolgestrategien gehört der Indikator in den Werkzeugkasten eines jeden Traders – und das unabhängig davon, ob kurz- oder langfristige Charts analysiert werden. Neben der reinen Crossover-Methode eignet sich vor allem die Divergenzanalyse für das Handeln an den Märkten. Wie bei allen Indikatoren gilt allerdings: Wunder kann auch dieses Instrument allein nicht vollbringen. Erst eine Kombination mit anderen Techniken und ein solides Risk- und Money-Management versprechen nachhaltigen Erfolg.

Know How 06: Das sollte jeder über die Eröffnung am US-Aktienmarkt wissen.

25.11.2015 / 17.33 Uhr

Die Eröffnungsphase wird von vielen Tradern und Analysten als wichtigste Phase des Tages bezeichnet. Auch hört man immer wieder die folgenden Sprüche:

  • “Die Anfänger handeln am Beginn des Handelstages”
  • “Die Profis handeln am Ende des Handelstages”

Blicken wir auf die Tatsachen am US-Aktienmarkt (alle Charts stammen von Blackrock).

1) Die Liquidität (Orderbuchtiefe) ist am Tagesbeginn niedrig, am Tagesende sehr hoch.

 

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2) U-Verlauf der Volatilität: morgens sehr hoch, über die Mittagszeit niedrig, zum Handelsende wieder steigend.

 

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3) Der Spread ist zu Beginn des Handelstages am höchsten – vor allem bei kleineren Werten.

 

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Alle Effekte treten umso stärker auf, je kleiner die Marktkapitalisierung ausfällt: Micro Caps und Small Caps sind also besonders betroffen, was Liquidität, Volatilität und Spread-Höhe angeht.

Know How 05: Relative Strength Index (RSI) – Der Momentumoszillator mit Vorlaufqualitäten

RSI (Relative Strength Index) – der Momentumindikator schlechthin

Im vorliegenden Beitrag dreht sich um das Thema Momentum, also die Schwungkraft, die bei einem Kursverlauf gemessen und für Handelsentscheidungen zurate gezogen werden kann. Einer der ältesten und bekanntesten Oszillatoren überhaupt, der RSI (Relative Strength Index), ist der Klassiker unter den Momentum-Oszillatoren. Wie dieser berechnet wird, welche Signale er liefert und man ihn in der Trading-Praxis einsetzen kann, erfahren Sie hier.

Was ist Momentum?

Vor dem Einstieg in die Details zunächst ein kurzer Überblick zum Thema Momentum. Das Momentum beschreibt die Beschleunigung und Verlangsamung von (Kurs-)bewegungen. Am einfachsten lässt sich dieses Phänomen mit einem banalen Experiment aus dem Physikunterricht beschreiben:

Man werfe einen Apfel in die Höhe und beobachte dessen Geschwindigkeit im Zeitablauf

  • zunächst nimmt die Geschwindigkeit zu
  • anschließend – der Apfel steigt noch immer – nimmt die Geschwindigkeit ab, bis sie…
  • den Wert Null erreicht (auf dem Höhepunkt der Flugbahn)
  • anschließend beginnt das Spiel von vorne, nur in umgekehrter Richtung

Genau dieses Verhalten lässt sich auch auf des Kursverhalten am Finanzmarkt übertragen.

In laufenden Trendbewegungen macht das Momentum auf diese Weise Schwächen sichtbar, die auf mögliche Wendepunkte hinweisen. Eine wichtige Eigenschaft des Momentums ist also dessen Vorlaufcharakter. Es erreicht seinen Extremwert oft, noch bevor der Kurs des Basiswertes einen Extremwert erreicht hat.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, wie man denn das Momentum eines Kursverlaufs messen kann. Ganz einfach:

Man vergleicht hierbei laufend den aktuellen Kurs mit dem Kurs vor X Perioden. Das 10-Tage-Momentum einer Aktie wird demnach durch Subtraktion des Schlusskurses vor zehn Tagen vom aktuellen Schlusskurs berechnet. Diese einfache Momentum-Berechnung weist jedoch zwei grundlegende Schwächen auf:

  • Starke Veränderungen bei dem analysierten Basiswert können bei der Berechnung zu irreführenden Bewegungen führen (selbst dann, wenn sich der aktuelle Kurs nur geringfügig verändert hat)
  • Desweiteren lassen sich verschiedene Basiswerte (z.B. bei einem Screening) aufgrund einer nicht konstanten Bandbreite nicht miteinander vergleichen

Um beide Schwächen zu eliminieren bedurfte es eines besseren Indikators.

Wie wird der RSI berechnet?

Und hier kommt der RSI (Relative Strength Index) ins Spiel. Er wurde im Jahr 1978 von Welles Wilder eingeführt und gehört in die Gruppe der Oszillatoren.

Die Berechnung erfolgt mittels folgender Formel:

RSI = 100 – ((100/(1+RS))

RS = (Durchschnitt der Schlusskurse von n Tagen mit steigenden Kursen/Durchschnitt der Schlusskurse von n Tagen mit fallenden Kursen)

Die Kalkulation des RSI macht deutlich, dass hierbei die Stärke der Aufwärts- im Vergleich zu den Abwärtstagen einer bestimmten Periodenlänge und gibt die Ergebnisse in einer Skala von 0 bis 100 wieder. Als Standardeinstellungen werden Periodenlängen von 14 verwendet, abweichende Werte sind je nach Trading-Stil und gewähltem Zeithorizont selbstverständlich möglich. Ich persönlich setze gerne den 8er RSI ein. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Periodeneinstellung, desto volatiler der RSI.

Welche Signale liefert der RSI?

Die Interpretation des RSI nach Wilder lautet wie folgt:

  • RSI> 70 signalisiert einen überkauften Zustand des Basiswerts
  • RSI< 30 signalisiert einen überverkauften Zustand des Basiswerts

Wichtig ist, dass ein Eintauchen in eine dieser beiden Zonen nicht automatisch zum Long- bzw. Short-Einstieg genutzt werden sollte! Wie wir alle wissen, kann ein Trend viel weiter laufen, als man sich zunächst vorstellen kann. Der RSI kann dann über einen längeren Zeitraum hinweg ober- bzw. unterhalb einer Extremzone verharren, ohne dass es beim Basiswert zu einer Umkehr kommt. Genau aus diesem Grund ist eine Kombination eines Trendfolgers (z.B. SMA oder MACD) mit einem Oszillator immer zu empfehlen.

Kurzum: Eine extreme RSI-Notierung ist ein erstes Warnsignal für einen potenziellen Trendwechsel, kein Signal an sich.

Die einfachste Handelsmöglichkeit, die diesen Umstand berücksichtigt, lautet daher:

  • Long: bei einem Fall des RSI unter die 30 und anschließendem Wiederanstieg über diese Extremzone
  • Short: bei einem Anstieg des RSI über die 70 und anschließendem Fall unter diese Extremzone

Die nebenstehende Grafik, die den DAX als Tages samt eines 8-Perioden-RSI darstellt, zeigt die Überkauftsignale (rot) und Überverkauftsignale des RSI.

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In größeren Zeitebenen – zum Beispiel bei Wochencharts – eignet sich der RSI wunderbar zur Erkennung von Dips/Pullbacks, die in Aufwärtstrends gute (Wieder)einstiegsgelegenheiten bieten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die 40er Marke im RSI bereits ausreicht, um Korrekturen zu identifizieren.

Die Visa-Aktie liefert hierfür ein sehr gutes Beispiel:

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Divergenzanalyse – mächtiges Tool zur frühzeitigen Erkennung einer Trendwende/Gegenbewegung

Neben der vorgestellten 70/30-Handelsregel liefert der RSI aber noch eine weitere Einsatzmöglichkeit – das Stichwort hierzu lautet “Divergenzanalyse”.

Hierbei wird der Verlauf des Basiswerts mit dem Verlauf des Indikators verglichen. Beide sollten sich im Regelfall im Kursverlauf bestätigen. Liegt eine Abweichung vor, ist Vorsicht angesagt. Eine positive Divergenz beim RSI ergibt sich dann, wenn der Kurs des Basiswerts neue Tiefpunkte generiert, während der RSI diese nicht mehr bestätigt. Umgekehrt handelt es sich um eine negative Divergenz, wenn neue Hochpunkte beim Basiswert nicht mehr von einem steigenden RSI bestätigt werden.

Blicken wir nochmal auf den eingangs gezeigten DAX-Chart, dieses Mal aber nur auf die Divergenzen.

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Fairerweise muss man zugestehen, dass das Erkennen der Divergenzen in der Praxis nicht immer so einfach ist, wie es im Nachhinein erscheint – aber das gilt für Trendlinien und Kursmuster ohnehin. So weiß man in Echtzeit nie genau, wie lange es dauert, bis die Divergenz im Indikator sich im Basiswert „entlädt“. Aus diesem Grund ist eine Kombination des RSI mit anderen Techniken sinnvoll, die Qualität der Ein- und Ausstiegssignale zu erhöhen, z.B.

  • die Suche nach Unterstützungs-/Widerstandsniveaus, bei denen RSI-Extremwerte erreicht werden oder Divergenzen
  • das Abwarten von Bestätigungen (Bruch des Vortageshochs oder -tiefs) vor einem Einstieg
  • die Filterung der Signale mit einem vorgeschalteten Trendfilter (d.h. Long-Signale des RSI nur in Uptrends, Short-Signale nur in Downtrends berücksichtigen)

Darüber hinaus hat ein gutes Risiko- und Money-Management, das Verluste im Falle von Fehlsignalen minimiert, ohnehin oberste Priorität.

Ein unverzichtbares Tool für mich

Der RSI ist ein Klassiker unter den Oszillatoren und zeigt an, ob ein Basiswert überverkauft oder überkauft ist. Der Einsatz der Divergenzanalyse, die sowohl im Kurzfrist- als auch Langfristchart funktioniert, ist aus meiner Sicht sogar noch eine bessere Einsatzmöglichkeit des RSI. Sie bietet nämlich – im Gegensatz zu den Trendfolgeindikatoren, die erst verspätet Signale liefern – relativ früh Signale für potenzielle Trendwenden.

Der altbewährte RSI gilt damit zu Recht als guter Allrounder, den ich in meinen Charts nicht missen möchte.

 

Know How 04: Polaritätswechsel bei Untersützung und Widerstand

4.11.2015 / 17.37 Uhr

Was steckt hinter einer Unterstützung bzw. einem Widerstand?

Bei Widerständen oder Unterstützungen handelt es sich um Preisniveaus, die mehrere deutlich erkennbare Hochpunkte (Widerstand) bzw. Tiefpunkte (Unterstützung) miteinander verbinden. Dabei geht es nicht darum, auf den Cent oder Pip genau einzuzeichnen, sondern um signifikante Zonen zu identifizieren. Man will also wissen, wo genau die Bereiche sind, an denen mit Bewegung zu rechnen ist.

Ein Widerstand befindet sich oberhalb des aktuellen Kursniveaus und zeigt einen Bereich an, wo die Verkäufer die Oberhand über die Käufer gewinnen (Angebotsüberhang). Der Kurs hat hier eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, nach unten abzudrehen. Wichtig: Nur weil hier ein Widerstand vorliegt, muss es noch lange nicht heißen, dass der Kurs nach unten drehen muss! Er kann, er muss nicht. Deshalb bietet sich ja auch die Kombination mit anderen Tools (z.B. Bestätigung in kleinerer Time Frame, Berücksichtigung des übergeordneten Trends usw.) an.

resistanceUmgekehrt befindet sich eine Unterstützung immer unterhalb des aktuellen Kurses und zeigt an, wo die Käufer stärker sind als die Verkäufer (Nachfrageüberhang). Ein fallender Kurs, der auf eine Unterstützung zusteuert, wechselt dort mit erhöhter Wahrscheinlichkeit seine Richtung und dreht wieder nach oben.

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Im Gegensatz zu Trendlinien und –kanälen gibt es bei Unterstützung/Widerstand kaum Interpretationsspielraum, da diese Levels immer waagerecht eingezeichnet werden. Bei einer Veränderung des Chart-Intervalls, zum Beispiel beim Zoomen vom Tages- in den Stundenchart, bleiben daher alle Widerstände und Unterstützungen weiterhin gültig.

 

Wenn Unterstützungen und Widerstände ihre Rollen tauschen (Polaritätswechsel)

Was aber, wenn ein Widerstand oder eine Unterstützung nicht halten und gebrochen werden? Willkommen beim sogenannten “Polaritätswechsel”: Unterstützungs- und Widerstandslinien tauschen – sofern sie nachhaltig unter- bzw. überschritten werden – dann nämlich ihre Rollen. Was nachhaltig in der Praxis bedeutet, muss dabei jeder Trader selbst für sich entscheiden. Dies kann zum Beispiel ein bestimmter Prozentwert sein oder eine bestimmte Anzahl von Kerzen. Jedenfalls muss der Durchbruch weit genug gehen, um die bereits investierten Marktteilnehmer davon zu überzeugen, dass Sie falsch positioniert sind und sie folglich „gezwungen“ werden, zu handeln.

Die Folge: Aus einem ehemaligen Widerstand wird nach einem Ausbruch nach oben eine Unterstützung

  • Der Grund: Wird ein Wird ein Widerstand nach oben gebrochen, rutschen alle Marktteilnehmer, die zuvor auf einen “sicheren” Short gesetzt hatten, ins Minus. Sie sind daher gewillt (oder gar gezwungen), ihre Position zu covern (Shorts glattzustellen).
  • Dies verstärkt die Bewegung nach oben, die von neuen prozyklischen Käufern, getragen wird (Breakout-Trader).

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Aus einer ehemaligen Unterstützung wird nach dem Durchbruch nach unten ein Widerstand

  • Der Grund: Wird eine Unterstützung gebrochen, rutschen viele Marktteilnehmer mit ihrer Position ins Minus und sind daher geneigt zu verkaufen. Dadurch verstärkt sich die laufende Abwärtsbewegung.

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Und so sieht das Ganze in der Realität aus. Dargestellt ist der Verlauf des DAX Futue als Studnenchart. Dieses “Treppenmuster” ist wohl das wichtigste Tool für Trader überhaupt. Wer den Trendaufbau und das Zusammenspiel aus Unterstützung und Widerstand versteht, kann damit seine Ein- und Ausstiege relativ gut timen.

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Signifikanz von Widerstands- und Unterstützungsbereichen

Die Frage nach der Qualität bestimmter Widerstands- und Unterstützungszonen lässt sich mit dem Faktor Zeit und Volumen beantworten. Generell gilt: Je länger die Zeitspanne, in der sich die Kurse in einer Widerstands- oder Unterstützungszone aufhalten, umso bedeutender ist die Zone. Gleiches gilt für das Volumen, das in diesem Kursbereich zustande kommt: Je höher das dort gehandelte Volumen, desto bedeutender die Unterstützung bzw. der Widerstand. Wichtig ist auch, wie weit diese Handelsaktivität in die Vergangenheit zurückreicht. Je kürzer die Ereignisse zurückliegen, desto stärker ist ein Widerstand oder eine Unterstützung einzustufen. In der Praxis ist daher typischerweise eine umso höhere Dynamik bei einem Bruch einer Unterstützung oder Widerstands zu beobachten, je öfter diese Linie vorher „getestet“ wurde. Etwas Unschärfe sollte bei der Trade-Planung wie eingangs erwähnt jedoch stets einkalkuliert werden. Denn bei einem Abprall läuft bei einer hohen Marktdynamik der Kurs meist leicht über die Linien hinaus, während er bei einer sehr geringen Dynamik eher leicht vor dem Erreichen der Linie dreht.

Ein anderes Phänomen, das man im täglichen Marktgeschehen immer wieder beobachten kann, ist die Tatsache, dass gerade runde Kursmarken – z.B. DAX 10.000 oder Öl 100 – oftmals wichtige Wendepunkte darstellen. Der Grund: Viele Marktteilnehmer neigen dazu, ihre Ein- und Ausstiege an runden Marken festzumachen, so dass daraus psychologische Unterstützungs- und Widerstandszonen entstehen. Dabei ist dieses Vorgehen in der Regel alles andere als empfehlenswert und sollte vermieden werden. Konkret heißt das, die Stop- und Limit-Marken immer ober- bzw. unterhalb runder Kursmarken zu setzen, um unnötiges Ausstoppen zu vermeiden und die Ausführungsquote von Limit-Orders zu erhöhen.

Zusammenfassung

Das Konzept von Unterstützung und Widerstand bildet den Kern der Technischen Analyse ist für auch die Grundlage für die Entwicklung eines Trends und verschiedener Chartformationen. Eine sorgfältige Analyse von Unterstützungs- und Widerstandszonen zeigt, wie sich die Marktteilnehmer verhalten und versetzt den Trader in die Lage, die Reaktionen der anderen Marktteilnehmer in gewisser Weise vorherzusehen. Die beiden Gegenpole Angst und Gier spielen hierbei eine entscheidende Rolle und spiegeln sich in Form von Widerstands- und Unterstützungsniveaus in jedem Chart wider. Der Vorteil für den technisch versierten Trader ist das Erkennen des Kursbereichs, an denen mit einem deutlichen Anstieg der Nachfrage bzw. des Angebots gerechnet werden kann. Dadurch werden Ein- und Ausstiege mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ermöglicht. Und genau darum geht es ja beim Trading.

Know How 03: Nonfarm Payrolls – Warum die US-Jobdaten so wichtig für DAX und Co. sind!

Wirtschaftsdaten als Market Mover – Die Non-Farm Payrolls

An den globalen Finanzmärkten wird weder die Vergangenheit noch die Gegenwart gehandelt, sondern die Zukunft, d.h. die Erwartungen. Diese können die konjunkturelle Entwicklung, Unternehmensgewinne oder die Notenbankpolitik betreffen. Die Marktteilnehmer berücksichtigen neben den bereits verfügbaren Informationen eben diese Erwartungen bei ihren Handelsentscheidungen, sodass mit dem Aufkommen neuer Marktdaten – vor allem unerwartet guter oder schlechter – wiederum neue Handelsaktivitäten ausgelöst werden. Als Maßstab für die Markterwartung dient die sogenannte Konsensprognose, die aus den Schätzungen der befragten Bankvolkswirte ermittelt und von den Nachrichtenagenturen wie Bloomberg oder Reuters publiziert werden.

Wie wirken sich Überraschungen auf die Märkte aus?

Die Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten, ebenso wie Statements der großen Zentralbanken zu geldpolitischen Maßnahmen (Stichwort „Bernanke-Put“ oder Draghi-Rede im September 2012) machen sich an den Finanzmärkten insbesondere bei starken Abweichungen an den Finanzmärkten bemerkbar und das in mehrfacher Hinsicht:

  • Kursniveau: Negative Überraschungen bei Konjunkturdaten sind in der Regel positiv für den Rentenmarkt (Bund Future) und negativ für den Aktienmarkt. Die Reaktion am Aktienmarkt ist allerdings abhängig von der Stellung im jeweiligen Konjunkturzyklus. In der De-facto-Nullzinsphase wie sie aktuell zu beobachten ist, dürften zu gute Konjunkturdaten Ängste vor einem Ausstieg der Notenbanken aus der expansiven Geldpolitik schüren und somit tendenziell negative Reaktionen am Aktienmarkt hervorrufen. Auf diese Weise kann es zur paradoxen Situation kommen, dass de facto schlechte Konjunkturdaten positiv von den Aktienhändlern aufgenommen werden.
  • Spread: Die Geld-Brief-Spanne vergrößert sich – unabhängig davon, ob die Überraschung positiv oder negativ ausfiel.
  • Handelsvolumen: Unmittelbar vor der Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten geht das Handelsvolumen zurück, um dann mit der Bekanntgabe massiv anzusteigen. Ausgelöst wird dieses Phänomen durch die zur Ausführung zahlreicher Stopp- und Limitorders.
  • Volatilität: Analog zum Rückgang des Handelsvolumens im Vorfeld der Ankündigung ist auch eine rückläufige Volatilität zu beobachten. Nach Bekanntgabe überraschend positiver oder negativer Wirtschaftsdaten kommt es zu einem signifikanten Anstieg der Volatilität.

Der US-Arbeitsmarktbericht

Der Wirtschaftsindikator mit der höchsten Marktrelevanz ist der US-Arbeitsmarktbericht. Der Arbeitsmarkt spielt eine zentrale Rolle, da er maßgeblich die Einkommenssituation der privaten Haushalte – dem wichtigsten Akteur der US-Volkswirtschaft – bestimmt und damit auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Zur Messung der Arbeitsmarktsituation existieren gleich mehrere Indikatoren, die von unterschiedlichen Instituten ermittelt und veröffentlicht werden. Als Beispiel sind hier die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenversicherung (Initial Claims) zu nennen.

Der sogenannte Non-Farm Payrolls-Report informiert monatlich (jeweils am 1. Freitag des Monats) über die neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft und die Arbeitslosenquote. Er wird vom Bureau of Labor Statistics (BLS) veröffentlicht und besteht eigentlich aus zwei Teilen. Der Haushaltsbericht, der bereits seit 1940 regelmäßig erstellt wird, repräsentiert die Umfrageergebnisse der privaten Haushalte über das Arbeitskräftepotenzial und die gesamte Beschäftigung, woraus die Arbeitslosenquote hervorgeht. Der eigentliche Kern des NFP-Reports ist aber der Unternehmensbericht, bei dem rund 400.000 Betriebsstätten befragt werden, sodass etwa 40% aller Beschäftigten abgedeckt werden. Der Bericht enthält aufgrund der kurzen Spanne zwischen Erhebung und Veröffentlichung zeitnahe Informationen über die Beschäftigungssituation (Anzahl der neu geschaffenen Jobs) sowie die Entwicklung der Stundenlöhne und die geleisteten Wochenstunden.

Bedeutung für den Finanzmarkt

Die hohe Marktrelevanz lässt sich damit erklären, dass der Bericht viele neue Informationen über eine ganze Reihe von Teilbereichen der Volkswirtschaft enthält. Die Marktteilnehmer legen ihr Augenmerk hierbei v.a. auf die Anzahl der neu geschaffenen Stellen, welche eine sehr hohe Korrelation zum Wirtschaftswachstum aufweisen und daher extrem wichtig für die Notenbankpolitik sind – gerade im laufenden Zyklus!

Tipps für das Trading

Der Handel unmittelbar vor und nach Bekanntgabe wichtiger Wirtschaftsdaten ist mit einem hohen, da unkalkulierbaren Risiko verbunden, weil aufgrund der Unsicherheit und der ungewissen Positionierung der Marktteilnehmer keine Prognose über die Richtung und das Ausmaß des Kursverlaufs möglich ist. Kurzfristig orientierte Trader sollten daher in Betracht ziehen, Positionen mit einem Buchgewinn vor der Veröffentlichung zu schließen, auf jeden Fall aber keine neue Position kurz vor oder nach der Bekanntgabe der Daten zu eröffnen.

Know How 02: Der CoT Report – Schauen Sie auf die Commercials

11.37 Uhr

Der sogenannte CoT-Report (Commitment of Traders) wird jeden Freitag von der amerikanischen Terminmarktaufsicht CFTC veröffentlicht. Er zeigt die Long- und Short-Positionierung wichtiger Akteure am Futures-Markt und liefert damit wichtige Erkenntnisse für mittel- bis langfristig orientierte Trader. Dabei wird zwischen den folgenden drei Gruppen unterschieden:

1. Commercial Hedgers
Diese Marktteilnehmer gelten aufgrund ihrer detaillierten Marktkenntnis als „smart money“. Sie nehmen die entgegengesetzte Position der anderen Gruppen ein. Weil sie an extremen Marktpunkten die treibende Kraft darstellen, gilt es, die Hedger genau im Blick zu behalten.

2. Large Speculators
Diese Gruppe besteht in erster Linie aus großen Fonds, die mehrheitlich trendfolgend agieren und Positionen bei einer Trendfortsetzung akkumulieren. Bei Vorliegen einer extremen Positionierung sollte mit einer Trendumkehr gerechnet werden.

3. Small Speculators
Zu dieser Gruppe gehören Hedge Fonds und individuelle Trader. Auch sie agieren in der Regel trendfolgend – Trendumkehrbewegungen gehen daher häufig mit einer extremen Positionierung einher.

Für Analysezwecke ist die Gruppe der Hedger von zentraler Bedeutung. Hierbei gilt es, sowohl die absolute Höhe der Positionierung, als auch die relative Entwicklung zu betrachten. Im Gegensatz zu anderen Sentimentindikatoren ist dieser Indikator nicht als Kontraindikator zu verwenden:

  • Sind die Hedger extrem long positioniert, so ist dies ein bullishes Zeichen
  • Sind sie dagegen extrem short positioniert, ist dies bearish zu werten

Der nachfolgende Chart zeigt unter dem Kursverlauf des Währungspaars Euro/Dollar die Nettoanzahl der Kontrakte (Long- abzüglich Short-Kontrakte), die von den großen Hedgern (sog. Commercials) gehalten werden (blaue Linie). Wie man erkennen kann, zeigen wichtige Hoch- und Tiefpunkte bei der Positionierung der Commercials gute antizyklische Signale. Nach dem starken Kursverfall des Euro während der letzten Monate ist die Nettoposition bei über 200.000 Kontrakten long und damit ähnlich hoch wie Mitte 2012, als es zu einem wichtigen Tief beim Währungspaar kam. Im Gegensatz dazu sind die „Small Speculators“ (rot) derzeit massiv short und verhalten sich damit wie in der Vergangenheit auch genau umgekehrt wie das Smart Money.

Euro/Dolar (Commercial Hedgers vs. Small Speculators seit 2008):

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Als zweites Beispiel blicken wir auf den Goldpreis. Der aktuelle CoT-Report per Ende März 2015 (Commitment of Traders) zeigt, dass die Hedger (blau) einen Großteil ihrer Short-Positionen bei Gold geschlossen haben. Die “small speculators” (rot) dagegen weiteten ihre Netto-Short-Position aus. Blickt man auf den Chart der letzten Monate und Jahre, erkennt man, dass solche Konstellationen ein gute Hinweise auf ein Tief gaben.

Gold (Commercial Hedgers vs. Small Speculators seit Juli 2013):

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Für mittel- bis langfristig orientierte Trader bietet die Kombination aus CoT-Report und technischen Tools (z.B. Trendanalyse, Divergenzen) eine wertvolle Navigationshilfe durch die volatilen Märkte.
Eine gute Quelle für Trader und Analysten ist die Website TimingCharts.com.

Know How 01: TRIN – Der Panik-Indikator

10.00 Uhr

Aufgrund zahlreicher Anfragen zum Thema Indikatoren, Strategien usw. möchte ich mit einer kleinen Know How-Reihe starten, die in unregelmäßigen Abständen erweitert wird. Das Ziel ist eine Art “Traderpedia”, ein Werkzeugkasten, der Inspiration bei der Entwicklung eigener Ansätze liefern und unterschiedliche Analyseansätze aufzeigen soll.

Als erstes ist der TRIN (auch Arms Index genannt) dran. Er stellt einen volumenbasierten Marktbreiteindikator dar, der eine gute Möglichkeit, die Stimmung direkt aus der Marktentwicklung heraus zu messen. Und so wird er berechnet:

(Anzahl gestiegener Wertpapiere an der NYSE / Anzahl gefallener Wertpapiere an der NYSE) / (Volumen steigender Wertpapiere an der NYSE / Volumen fallender Wertpapiere an der NYSE)

Die Aussage des Indikators ist einfach und genial zugleich: Werte oberhalb von 2 weisen auf einen hohen Verkaufsdruck hin, da eine hohe Anzahl von Papieren fallende Kurse aufweist und/oder diese von einem hohen Volumen begleitet werden. An Handelstagen mit einem hohen TRIN regiert also die Angst, das Sentiment ist klar negativ. Bei TRIN-Werten deutlich unter 1 gilt das Gegenteil. In Kombination mit einem Trendfolgeindikator wie z.B. SMA lassen sich mit dieser Kennzahl gute antizyklischen Signale im Tageschart generieren.

Das nachfolgende Beispiel zeigt die Signale seit Mitte 2012. Am Dienstag erreichte der TRIN (NYSE) übrigens einen Wert von 2,6 – der gestrige Bounce beim S&P 500 kam also nicht ganz unerwartet. Mal sehen, ob die Bullen ihre Stärke heute fortsetzen!

TRIN für NYSE und Nasdaq:

trin_1Viel Erfolg bei der Analyse und bis bald!