Plane den Trade, trade den Plan – In 10 Schritten zum Erfolg.

Ein Eigenheim ist und bleibt für die meisten Menschen ein wichtiges Ziel im Leben.

Wer träumt denn nicht von einem großen Haus mit Garten? Ein eigenes Stück Erde hat in gewisser Hinsicht etwas von Freiheit und Unabhängigkeit.

Alles schön und gut – aber was hat das denn mit Trading zu tun?

Eine ganze Menge: Für die Verwirklichung des Traums vom Eigenheim bedarf es einer soliden, realistischen Planung.

Diese beginnt bereits vor dem eigentlichen Bau des Hauses und umfasst verschiedene – allen voran finanzielle – Aspekte.

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Bild von Jesse Roberts

Dasselbe gilt für den Traum, ein erfolgreiches Trader-Leben führen zu können. Auch hier geht es eigentlich um Freiheit. Und auch hier gilt: Wer sich ohne Vorbereitung und gründliche Kenntnisse in den Markt stürzt, wird bitter enttäuscht werden – analog zum Bauherrn, der ohne Bauplan und genügend Eigenkapital mit dem Bau des Dachs vor dem Ausheben des Kellers beginnt. Der nachfolgende Beitrag zeigt auf, welche Elemente ein Trading-Plan enthält, welche Vorteile er bietet und warum er eine wichtige Voraussetzung für den langfristigen Erfolg an der Börse darstellt.

Was ist ein Trading-Plan?

Trading ist kein Spaß, keine Lotterie und kein Glücksspiel. Trading ist ein Geschäft. Es geht schließlich darum, sein eigenes Kapital zu riskieren und möglichst effizient an den Märkten einzusetzen. Das einzige Ziel der Trading-Tätigkeit ist dabei die stetige, risikobewusste Erhöhung des eingesetzten Kapitals. Was sich auf den ersten ziemlich banal anhört, ist in Wirklichkeit die Basis für den Erfolg. Denn wäre das Trading reine Lotterie, dann könnte man den Erfolg nicht planen. Ginge es dagegen nur um Spaß, dann wäre ein konkreter Plan wohl überflüssig. Da es sich um ein echtes Geschäft handelt, ist die richtige Planung das A und O für den langfristigen Erfolg. Der Trading-Plan fungiert als eine Art Business-Plan, der alle Einzelheiten des Vorhabens definiert. Wie im „normalen“ Geschäftsleben werden hier alle finanziellen und organisatorischen Maßnahmen in einem Regelwerk zusammengefasst, das als roter Faden für den täglichen Kampf an den Märkten dient. Die Ausgangslage, die Ziele, die Zeit- und Ressourcenplanung, ebenso wie konkrete Umsetzungsmaßnahmen und Kontrollmechanismen. Um Missverständnissen von vornherein aus dem Weg zu gehen: Der Trading-Plan ist nicht gleichzusetzen mit einer Trading-Strategie. Letztere beschreibt lediglich eine bestimmte Handelsmethodik sowie deren Ein- und Ausstiegsregeln und ist damit nur ein Baustein von vielen innerhalb des gesamten Trading-Plans.

Wer braucht einen Trading-Plan?

Dass ein Trading-Plan allein kein Garant für Erfolg an den Märkten ist, dürfte jedem einleuchten. Es zeigt sich aber, dass aktive Trader mit einem Plan langfristig besser abschneiden, als die Mitstreiter, die ohne einen Tradingplan agieren. Warum? Ein Trading-Plan kann nicht die Zukunft vorhersagen. Er kann jedoch Strategien für Situationen bereitstellen, die nicht im Kontrollbereich des Traders liegen. Es geht also darum, die Dinge zu steuern, die man als Trader steuern kann – nämlich sich selbst. Nicht mehr, nicht weniger. Jeder Trader, der es bisher nicht geschafft hat, konsistent und über verschiedene Marktphasen hinweg profitabel zu handeln – und genau das ist bekanntlich das Ziel – , sollte also einen Trading-Plan anfertigen. Der Plan dient dabei als Landkarte und definiert die effizienteste Route zum Ziel.

Welche Vorteile hat ein Trading-Plan?

Der Einsatz eines Trading-Plans bietet eine Menge Vorteile für den Trader. Durch die vorherige Planung aller tradingrelevanten Aspekte wird die gesamte Struktur des Trading-Prozesses verbessert. So wird die Anzahl „schlechter“, sprich unnötiger Fehltrades eingeschränkt. Durch den klaren und präzisen Rahmen reduziert der Trading-Plan den psychologischen Stress und irrationales Agieren beim Handel, weil wer mitten im Geschehen keine Entscheidung abverlangt, sondern lediglich das Befolgen der zuvor definierten Regeln/Maßnahmen. Ein zentraler Punkt ist die Kontroll- und Steuerungsfunktion.

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Bild von Garret Parker

Der Trading-Plan ist vergleichbar mit einem Routenplaner, der den Autofahrer (Trader) per GPS zum Ziel führt. Eventuelle Abweichungen von der Route werden sofort sichtbar und können sofort korrigiert werden. Ohne ein funktionierendes GPS-Signal bzw. ohne Straßenschilder dürfte der Autofahrer bei fehlender Ortskenntnis nicht ans Ziel kommen, geschweige denn erfahren, woran es gelegen haben könnte. Der Trading-Plan ermöglicht zudem ein regelmäßiges Monitoring der eigenen Performance. Hierbei ist nicht nur die eigentliche Entwicklung der Trades und des Kontos gemeint, sondern vielmehr die Frage, ob der Trader sich an seine Regeln hält, also seine Disziplin. Die Analyse des Trading-Plans offenbart, womit der Trader Schwierigkeiten hat und welche Stärken er hat. Dadurch kann der Trader seine Entwicklung als Trader optimal und zeitnah mit verfolgen und bei Abkommen von der Route schnell gegensteuern.

Wie erstellt man einen Trading-Plan?

Der Trading-Plan umfasst viele Einzelelemente und sollte individuell auf die Persönlichkeit und die Ressourcen des jeweiligen Traders zugeschnitten sein, denn nur so kann sichergestellt werden, dass der Trader sich später auch an den eigenen Plan hält. Was nützt schon ein Anzug, der die falsche Farbe und Größe hat? Ein Maßanzug, der perfekt sitzt, dürfte dagegen gerne getragen werden. Hierfür werden nachfolgend 10 Module dargestellt, die als Leitfaden für die Erstellung Ihres eigenen Trading-Plans dienen sollen. Jedes Modul besteht aus mehreren Fragestellungen, die der Trader so ehrlich wie möglich für sich selbst beantworten und – ganz wichtig – auch schriftlich festhalten muss. Die Antworten sollten so präzise und detailliert wie möglich sein.

Schritt 1: Selbstanalyse

Die Psychologie der Massen zu erkennen, ist ein wichtiges Instrument, um die Mechanismen an den Märkten zu verstehen. Für das Trading selbst ist aber eines noch wichtiger: die eigene Psyche zu erkennen. Das folgende Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Wenn Sie sich selbst nicht kennen, ist die Wall Street ein teurer Ort, um es herauszufinden“. Im ersten Schritt geht es in erster Linie also darum, sich über die Ziele und die eigenen Schwächen und Stärken – sowohl mentale als auch wissensbasierte – klar zu werden. Sollte die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen sehr schwer fallen, empfiehlt es sich, mittels Paper-Trading bestimmte Verhaltensmuster herauszufinden, die die eigenen Stärken und Schwächen offenbaren. Das eigene Charakterprofil hat nämlich erheblichen Einfluss auf die spätere Wahl des passenden Trading-Ansatzes und der Zeiteinheit. Die wichtigste Hürde zwischen dem Ich und dem Erfolg an den Märkten ist die geistige Haltung. Auch wenn es banal klingt: Gerade deshalb ist es wichtig, dass man körperlich und mental gesund ist, dass der Schlaf nicht zu kurz kommt und dass man erkennt, in welchen Phasen das Trading unterlassen werden sollte. Im Trading-Plan sollte deshalb schriftlich festgehalten werden, unter welchen inneren und äußeren Umständen das Trading unterbrochen bzw. eingestellt wird.

Im Zentrum der Überlegungen stehen folgende Aspekte:

  • Warum will ich Trader werden?
  • Welches konkrete Ziel verfolge ich mit dem Trading?
  • Wie definiere ich Erfolg im Hinblick auf das Trading?
  • Gibt es Berufe, in denen ich meine Talente besser einsetzen könnte?
  • Wie steht meine Familie zu meinem Vorhaben?
  • Welcher Trading-Typ bin ich?
  • Bin ich ein diskretionärer oder mechanischer Trader?
  • Wie viel Zeit steht mir für das Trading zur Verfügung?
  • Habe ich vor, lang- mittel- kurzfristig oder sehr kurzfristig zu handeln?
  • Passt die gewählte Zeiteinheit zu meinem Charakter?
  • Welche Stärken und Schwächen habe ich?
  • Bin ich in der richtigen Verfassung, um mit dem Trading zu beginnen?

Schritt 2: Welche Ziele verfolge ich mit dem Trading?

Auch wenn es viele Gründe für das Trading gibt, ein Aspekt verbindet alle Trader: der Wunsch, mit dem Trading Geld zu verdienen. Dennoch machen sich nur wenige Trader wirklich Gedanken, wie viel Gewinn sie pro Jahr anstreben. Genau das ist aber die Grundlage für die Ableitung der Monats-, Wochen- und Tagesziele. Gleiches gilt für die Risikoseite: Jeder Trader sollte sich darüber im Klaren sein, welchen Anteil seines Gesamtvermögens er dem Trading widmen kann und welchen maximalen Drawdown er pro Jahr akzeptiert. Das Setzen von Zielen unterstützt die gesamte Planung, ermöglicht die Kontrolle der Entwicklung als Trader und steigert gleichzeitig die Motivation. Jeder Trader sollte sich daher konkrete, aber realistische Ziele setzen – nicht nur finanzieller Art, sondern auch was seine Entwicklung als Trader angeht. Die qualitativen und quantitativen Ziele sollten in Jahres-, Monats-, und Tagesziele herunter gebrochen werden. So könnte das qualitative Jahresziel eines Traders zum Beispiel lauten, eine eigene Strategie für Trend- und Seitwärtsmärkte zu entwickeln, regelmäßiges Coaching in Anspruch zu nehmen und bestimmte Literatur zu lesen. Auf quantitativer Ebene könnte das Ziel lauten, mit dem verfügbaren Kapital von X Euro jährlich Y Euro zu erwirtschaften und so weiter. Anschließend muss definiert werden, wie man diese Ziele erreichen will und welche „Belohnung“ der Trader nach Erreichen der jeweiligen Ziele erhält.

Nachfolgend die wichtigsten Fragestellungen:

  • Welche qualitativen Ziele habe ich für das kommende Tradingjahr?
  • Wie will ich mein Theorie- und Praxiswissen verbreiten und vertiefen?
  • Welches Budget will ich dafür aufbringen?
  • Welche quantitativen Ziele habe ich für das kommende Tradgingjahr?
  • Welche Ziele habe ich jeweils für die kommenden Monate?
  • Welche Wochen- und Tagesziele ergeben sich daraus?

 

Schritt 3: Auswahl der Märkte, Instrumente und Zeiteinheiten

Während professionelle Trader in der Regel nur eine überschaubare Anzahl an Märkten handeln, neigen Anfänger dazu, möglichst viele Märkte abdecken zu wollen – in der Regel nicht zu ihrem Vorteil. Im Trading-Plan muss klar geregelt sein, welche Märkte gehandelt werden. Gleiches gilt für die Wahl der Finanzinstrumente. Ob Aktien, Futures, Optionen oder Währungen gehandelt werden sollen hängt dabei in erster Linie von der Kontogröße, vom Tradingstil und der emotionalen Situation des Traders ab. Je nach Art des gehandelten Produkts sind wiederum gewisse Besonderheiten hinsichtlich Abwicklung, Handelszeiten, Kontogröße usw. zu beachten. So ist der Handel mit CFDs ist eben nicht gleichzusetzen mit Optionsscheinen, Futures sind wiederum eine andere Kategorie als Aktien oder ETFs.

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Zu den wichtigsten Fragen, die sich der Trader stellen muss, gehören deshalb:

  • Welche Märkte möchte ich handeln warum?
  • Kenne ich die spezifischen Risiken unterschiedlicher Märkte?
  • Welche Instrumente will ich handeln?
  • Welche Zeiteinheit bevorzuge ich?
  • Habe ich vor, mehrere Zeiteinheiten gleichzeitig zu handeln?
  • Welchen Broker und welche Handelsplattform passt am besten zu meinem Handelsstil?
  • Welche Software und Datenfeeds sind optimal?
  • Verfüge ich über eine passende technische Ausrüstung?
  • Wie hoch sind die Transaktions-, Finanzierungs- und Slippage-Kosten?

Schritt 4: Die Handelsstrategie

Eine Handelsstrategie ist nichts anderes als ein festes Regelwerk, das dem Trader die Reproduzierbarkeit seiner Trading-Stils ermöglicht. Eine Strategie stellt quasi den Gegensatz zum Trading „aus dem Bauch heraus“. Die Auswahl einer Strategie hängt dabei von der Marktsituation, der Tageszeit und der Zeitebene ab, die man handelt. Betrachtet man die Märkte, stellt man fest, dass es nur zwei Zustände gibt: Trendphasen und trendlose Phasen (weiter unterteilen ließen sich diese in volatilitätsarm / volatil). Damit ist bereits klar, dass jeder Trader zumindest zwei Strategien braucht, um langfristig erfolgreich zu sein.

  • Wie sieht die Strategie konkret aus, nach der ich trade?
  • Habe ich die Strategie vor dem Live-Einsatz mittels Backtesting bzw. Paper-Trading überprüft?
  • Welche Trefferquote ist bei dieser Strategie realistisch?
  • Wie hoch ist der Erwartungswert dieser Strategie?
  • Welchen Drawdown weist die Strategie im Backtest auf?
  • Welche Strategie kommt in Seitwärtsphasen zum Einsatz?
  • Welche Strategie gilt bei Trendmärkten?
  • Wie lauten die Long-Signale für die jeweiligen Strategien?
  • Wie lauten die Short-Signale für die jeweiligen Strategien?
  • Nutze ich Gaps, Ausbrüche, Retracements oder andere Einstiegstechniken?

(Sie interessieren sich für die Entwicklung von Handelsstrategien? Dann ist der Videokurs die perfekte Grundlage – mehr Infos per Email!)

Schritt 5: Die Exit-Strategie

Die Mehrzahl der Trader verbringt einen Großteil ihrer Zeit mit dem (vermeintlich) optimalen Einstieg in einen Trade. Dabei entscheidet doch der Ausstieg, ob ein Trade mit einem Gewinn oder Verlust beendet wird. Unglücklicherweise gestaltet sich ein guter Ausstieg noch viel schwieriger als der Einstieg und muss zudem strategieabhängig festgelegt werden. Der Trader sollte sich daher intensiv mit den unterschiedlichen Exit-Strategien auseinandersetzen und für jede seiner Strategien ein klares Regelwerk aufstellen, wann welche Maßnahmen zum Tragen kommen. Hierzu zählt auch die Überlegung, wann in laufende, mittels Stopp abgesicherte Trades, vorzeitig eingegriffen wird. Folgende Fragen müssen unbedingt im Trading-Plan beantwortet werden:

  • Welches Signal verwende ich für den Ausstieg aus einer Position?
  • Verwende ich technische, volatilitätsbasierte oder Zeitstopps?
  • Welche Stopp-Techniken verwende ich für die jeweilige Strategie?
  • Wie verhalte ich mich bei Trades, die in Richtung des Stopps laufen? Steige ich schon vor dem Stopp aus? Wenn ja, welche Kriterien müssen dann erfüllt sein?
  • Wie gehe ich bei Trades vor, die bereits im Gewinn notieren?
  • Wann ziehe ich meinen Stopp auf Break-Even hoch?
  • Wie errechne ich das Kursziel für einen Trade?
  • Wann verkaufe ich die Hälfte der Position?
  • Welches Kriterium muss erfüllt sein, damit die Restposition geschlossen wird?

 

Schritt 6: Risiko- und Moneymanagement

Das Risiko- und Moneymanagement stellt aufgrund seiner zentralen Bedeutung für den Trading-Erfolg den wichtigsten und umfassendsten Teil des Trading-Plans dar. Die wohl berühmteste Trading-Regel überhaupt – Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen – wird erst durch die Implementierung eines soliden Risiko- und Moneymanagements möglich. Vereinfacht gesagt umfasst das Risikomanagement umfasst alle Maßnahmen, die der Minimierung bzw. Vermeidung der Verluste dienen. Hierzu zählt in erster Linie die Frage nach dem optimalen Stop und der richtigen Positionsgröße. Das Moneymanagement ist eine Weiterführung des Risikomanagements. Der Kapitalerhalt und die Generierung von Erträgen gehören zu den wichtigsten Aufgaben des Money Managements.  Im Zentrum stehen hierbei verschiedene Modelle zur korrekten Bestimmung der Positionsgröße. Um eine optimale Positionsgröße zu erhalten, müssen das Risiko-Management und die Risikoparameter mit den verschiedenen Money-Management-Modulen zusammengeführt und regelmäßig kontrolliert werden.

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Bild von Gabriel Sanchez

Nachfolgend die wichtigsten Fragestellungen zum Thema Risiko- und Money-Management:

  • Wie stehe ich dem Thema Risiko generell gegenüber?
  • Welches Risiko birgt der Broker/die Hard- und Software und welche Absicherungen stehen für den worst case bereit?
  • Welchen Anteil hat das Trading-Kapital am Gesamtkapital des Traders?
  • Ab welchem Drawdown wird das Trading eingestellt bzw. unterbrochen?
  • Wie hoch ist das Gesamtrisiko für offene Trades?
  • Wie hoch ist das Positionsrisiko?
  • Wo werden Initial-Stopps für die jeweilige Strategie gesetzt?
  • Welche Positionsgröße ergibt sich daraus?
  • Wie hoch ist das Strategie-Risiko und wann wird eine Handelsstrategie eingestellt und überprüft?
  • Wie ist die Verfassung des Traders?
  • Wie hoch ist die Trefferquote meiner bestimmten Strategie?
  • Wie hoch ist das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV)?
  • Wann wird das Trading eingestellt?
  • Wie verhält sich der Trader nach größeren Drawdown- und Profitphasen?
  • Welches Moneymanagement-Modul kommt zum Einsatz?
  • Welche Strategien werden zur Gewinnsicherung eingesetzt?
  • Werden Methoden zur Gewinnmaximierung (Scaling-In) eingesetzt? Wenn ja, in welcher Form?
  • Wie wird die Positionsgröße bestimmt?

Nachdem bereits viele Elemente eines Trading-Plans erörtert wurden, geht es nun in die konkrete Planung eines Tradingtags. Hierbei empfiehlt sich gerade am Anfang der Trading-Karriere ein strukturiertes Abarbeiten der jeweiligen Aufgaben, so dass eine Routine entsteht.

 

Schritt 7: Vor der Eröffnung

Jeder, der einem Trader mal über die Schulter geschaut hat, wird feststellen, dass er Ruhe an den Tag legt und eine bestimmte Routine hat. Dies gilt sowohl für die Phase vor dem eigentlichen Handel, während des Handels und nach dem Handel. Wie bei anderen Berufen auch, ist eine klare Strukturierung der Aufgaben sowohl unter Effizienzgesichtspunkten als auch psychologisch betrachtet von Vorteil. Folgende Fragen sollten daher im Trading-Plan beantwortet werden:

  • Habe ich die zuletzt getätigten Trades analysiert?
  • Habe ich offene Positionen?
  • Müssen bestehende Orders angepasst werden?
  • Sind meine Charts und die verwendeten Analysetools aktualisiert?
  • Habe ich mein Scanning-Tool aktualisiert?
  • Stimmen die Abrechnungen des Brokers und der Kontostand?
  • Ist meine Internetverbindung stabil?
  • Welche Themen bewegen den Markt aktuell?
  • Habe ich mein Research durchgeführt?
  • Wie bewerte ich die aktuelle Marktstimmung?
  • Wie sehen meine Szenarien aus?
  • An welchen Stellen ergäben sich interessante Trading-Möglichkeiten?
  • Stehen heute wichtige Konjunktur-/Unternehmensdaten an?
  • Was habe ich heute vor? (Planung im Stunden-Rhythmus empfehlenswert)?

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Bild von Worthy of Elegance

Schritt  8: Die Nachbereitung

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – und genau aus diesem Grund muss im Trading-Plan festgehalten werden, welche Aufgaben nach dem Handel bzw. Börsenschluss zu erledigen sind. Das zentrale Element hierbei ist das Trading-Journal. Ohne das Führen eines Trading-Journals ist der Trader kaum in der Lage, seine Trader-Qualitäten nach möglichen Fehlerquellen beurteilen zu können und daraus zu lernen – ähnlich wie ein Fußballteam, das keine Videoanalyse ihrer eigenen Spiele vornehmen würde. Daher gilt: Alle Transaktionen, die durchgeführt, aber nicht schriftlich festgehalten wurden, sind damit als Analyseinformation unwiederbringlich verloren. Als Mindestinformationen sollten Einstieg- und Ausstiegsmarken, die Strategie, Stopps, Kursziele, Unterstützungs- und Widerstandslinien, OHLC des Tages, Dauer der Trades eingetragen werden. Nach der Fehleranalyse der Trades sollte auch festgehalten werden, welche Dinge falsch gemacht wurden und aus welchen Gründen.

  • Habe ich alle wesentlichen Informationen in mein Trading-Journal eingetragen?
  • Habe ich auch meine Gedanken und Gefühle/Stimmungen vor und nach dem Trade schriftlich vermerkt?
  • Habe ich Screenshots von den getätigten Trades gespeichert bzw. ausgedruckt?
  • Habe ich meinen Plan heute eingehalten?
  • Wenn nicht: Welche Gründe gibt es hierfür und wie will ich diese in Zukunft abstellen?

Schritt 9: Ohne Disziplin ist alles nichts

Alle bisher vorgestellten Module des Trading-Plans verpuffen wirkungslos, wenn es an einem mangelt: der Disziplin und Geduld, sich an den EIGENEN Trading-Plan zu halten. Die gute Nachricht ist, dass Disziplin antrainierbar ist. Dafür muss sich insbesondere der Trading-Anfänger zu einem Verhalten zwingen, das seinen Gewohnheiten und Überzeugungen entgegengesetzt ist. Die Umsetzung der hierfür notwendigen Maßnahmen fällt jedem Trader je nach Erziehung, Lebenserfahrung und seinen bisherigen Überzeugungen unterschiedlich schwer.  Während dies in profitablen Phasen noch relativ einfach sein mag, stellt sich die Situation in einer Drawdown-Phase schon ganz anders dar.

  • Wie stelle ich sicher, dass ich mich an den Trading-Plan halte?
  • Welche Sanktionen bestehen bei Nichteinhalten bestimmter Regeln im Plan?
  • Welche Maßnahmen ergreife ich in anderen Lebensbereichen, um meine generelle Disziplin zu erhöhen?
  • Welche Fragen stelle ich mir, nachdem ich einen profitablen/verlustreichen Trade absolviert habe?

Schritt 10: Goldene Trading-Regeln

Am Ende des Trading-Plans folgt eine Auflistung der wichtigsten Trading-Regeln. Sie dient sozusagen als kompakte Zusammenfassung der Trading-Richtlinien. Der Trader sollte hierbei diejenigen Vorsätze niederschreiben, die für ihn persönlich von höchster Priorität sind. Die nachfolgenden Regeln zählen zu den wichtigsten und bekanntesten, erfüllen aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Schütze dein Kapital
  • Setze immer einen Stopp
  • Begrenze die Verluste, lasse die Gewinne laufen
  • Trade was du siehst, nicht was du denkst
  • Laufe einem Trade niemals hinterher
  • Verbillige nie, wenn deine Position im Minus liegt
  • Führe ein Trading-Tagebuch
  • Disziplin ist alles!
  • Keep it simple
  • Trade nie während wichtiger Nachrichten usw.

Ohne Plan ist alles nichts!

Der Trading-Plan enthält nun alle wichtigen Elemente und ist damit abgeschlossen. Hier nochmal alle wichtigen Elemente:

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Dem Erfolg beim Trading steht damit nichts mehr im Weg – nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Ein Trader, der sich über die hier geschilderten Punkte Gedanken gemacht hat und diese auch schriftlich festgehalten hat, ist aber bereits auf dem besten Weg dorthin. Anstatt ständig nach dem „Heiligen Gral“ zu suchen, sollte man an seiner Persönlichkeit arbeiten und die richtigen Fragen stellen. Denn Trading ist nichts anderes, als die Kontrolle der eigenen Person.

Ohne einen Plan und geeignetes Regelwerk dürfte dieses Unterfangen kaum gelingen.

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Posted on: 25. November 2016, by : David Pieper

3 thoughts on “Plane den Trade, trade den Plan – In 10 Schritten zum Erfolg.

  1. Hallo Herr Pieper,

    diese Informationen hätte ich damals gut gebrauchen können!
    Ob ich sie auch genutzt hätte, weiss ich natürlich nicht, mir ist nur heute klar dass es ohne Planung nicht geht.

    Was mir persönlich hier als Anfänger fehlen würde, wäre ein Punkt 3a: Welcher Broker ist für meine Auswahl (Märkte, Instrumente Zeiteinheiten) der Richtige? Ich weiss, ein sehr schwieriges Thema – ohne Werbung machen zu wollen -. Auswirkungen der Bindung an einen Broker? – Probleme beim Wechsel?….
    Ich hatte in der Anfangszeit Verluste, weil ich den falschen Broker für den ausgewählten Markt/Instrument hatte usw..

    Was ich heute auch für sehr wichtig erachten würde, ist die Korrektur der falschen Vorstellung vom Kapitalbedarf für die jeweils ausgewählten Märkte und Instrumente…..

    Vielleicht hat Jemand auch diese oder ähnliche Erfahrungen gemacht?
    Vielen Dank für Ihre sehr gute Gedankenanregung!

  2. Alles richtig beschrieben. Nur die meisten Trader werden daran scheitern weil sie dies nicht wissen oder nicht umsetzen können/ wollen.

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