KNOW HOW 07: MACD (Moving Average Convergence Divergence)

MACD (Moving Average Convergence Divergence)

Egal, ob man als Trader Trendlinien oder Kursmuster nutzt – der subjektive Faktor spielt immer mit und sorgt dafür, dass die Ergebnisse nicht immer optimal ausfallen. Eine Alternative, die hier Abhilfe schaffen kann, ist die Nutzung von technischen Indikatoren. Diese werden mithilfe klarer mathematischer Formeln aus Kurs- oder Volumendaten berechnet und lassen sich damit auch backtesten. Die ersten Indikatoren wurde bereits in den siebziger Jahren – damals noch von Hand – berechnet und entwickelt.

Der MACD gehört wie der RSI (siehe hier) zu den wohl bekanntesten Indikatoren in der Technischen Analyse.

Der MACD im Detail

Der Moving Average Convergence Divergence-Indikator, kurz MACD, wurde von G. Appel bereits Ende der siebziger Jahre entwickelt und gehört zu den Trendfolgeindikatoren. Die Berechnung des MACD basiert auf verschiedenen gleitenden Durchschnitten und ist daher alles andere als kompliziert:

  • Im ersten Schritt werden zwei unterschiedlich lange exponentielle gleitende Durchschnitte (sogenannte EMAs) berechnet.
  • Hierbei werden in der Standardeinstellung für den kurzen Durchschnitt 12 Perioden verwendet, für den langen 26 Perioden.
  • Die Differenz beider Durchschnitte ergibt dann die MACD-Linie.
  • Im zweiten Schritt wird die sogenannte Signallinie berechnet, die einen exponentiell gewichteten Durchschnitt (Standareinstellung: 9 Perioden) der MACD-Linie darstellt.

Vereinfacht ausgedrückt: Wir messen die Differenz zweier Durchschnitte (kurz und lang) und legen dann nochmal einen Durchschnitt darüber.

Der MACD kann für verschiedene Analysezwecke verwendet werden. Als Trendfolgeindikator, der die Hoch- und Tiefpunkte des Basiswertes nachvollzieht, liefert er vielfältige Informationen hinsichtlich Trendrichtung, Trendstärke und Ausbildung möglicher Wendepunkte im Chart. Die Lage des Indikators zur Nulllinie zeigt an, ob ein positiver oder negativer Trend vorliegt:

  • Ein Aufwärtstrend liegt vor, wenn der MACD über der Nulllinie notiert
  • Ein Abwärtstrend liegt vor, wenn die MACD-Linie unter der Nulllinie notiert

Konkrete Handelssignale liefert der Indikator, wenn es zu einem Schneiden beider Linien kommt:

  • Ein Kaufsignal entsteht, wenn die schnellere MACD-Linie die langsamere Signallinie von unten nach oben schneidet.
  • Ein Verkaufssignal entsteht, wenn die MACD-Linie die Signallinie von oben nach unten schneidet.

Eine zusätzliche Information liefert die Entfernung des Indikators zur Nulllinie.

Je größer der Abstand, desto höher ist die Stärke des Trends einzustufen. Liegt also der MACD über der Nulllinie und steigt, zeigt dies ein steigendes Momentum im Aufwärtstrend. Ein fallender MACD über der Mittellinie dagegen zeigt dagegen eine nachlassende Intensität des Aufwärtstrends an. Umgekehrt gilt natürlich: Ein fallender MACD unter der Mittellinie zeigt zunehmende Stärke im Abwärtstrend an, ein steigender MACD unter der Mittellinie zeigt nachlassende Intensität des Abwärtstrends an.

Hier ein einfaches Beispiel beim DAX Wochenchart:

macd_knowhow_181215

Eine wertvolle Ergänzung des MACD-Indikators ist die Darstellung des Histogramms, welches den Abstand der MACD-Linie zur Signallinie grafisch in Form von senkrechten Balken darstellt. Steigt im nachfolgenden Wochenchart also der aktuelle Balken gegenüber dem Vorbalken, heißt das, dass die Trendstärke zunimmt. Hierdurch werden oftmals bereits vor den eigentlichen Kreuzungssignalen Warnhinweise generiert.

macd_knowhow_histogramm_181215

Divergenzen als Warnsignal für einen bevorstehenden Trendwechsel

Eine beliebte und interessante Einsatzmöglichkeit des MACD ist die sogenannte Divergenzanalyse. Aufgrund seiner Eigenschaft als Trendfolger vollzieht der MACD die Hoch- und Tiefpunkte des Basiswertes nach. Als „gesund“ ist die technische Lage einzustufen, wenn der betreffende Basiswert (z.B. eine Aktie oder ein Index) sich im Einklang mit dem MACD bewegt. Hin und wieder ergeben sich jedoch sogenannte Divergenzen zwischen dem MACD und dem Kursverlauf des Basiswertes.

Divergenzen deuten auf Schwächen im vorhandenen Trend hin und signalisieren einen bevorstehenden Trendwechsel. Als negative (bearishe) Divergenz wird eine Situation bezeichnet, wenn der Basiswert im Aufwärtstrend einen neuen Hochpunkt ausbildet, der Indikator jedoch unter seinem vorherigen Hochpunkt zurückbleibt. Eine positive (bullishe) Divergenz ist gegeben, wenn der Basiswert im Abwärtstrend einen neuen Tiefpunkt ausbildet, der unter dem vorherigen Tiefpunkt liegt. Anstatt diesen neuen Tiefpunkt nachzubilden, bleibt der MACD jedoch bleibt über seinem letzten Tiefpunkt. Der nächste Chart – ebenfalls der DAX Wochenchart – zeigt, wie wertvoll die Divergenzanalyse bei der Erkennung von Wendepunkten sein kann.

Sowohl beim Boden 2003 (positive Divergenz, grün markiert), als auch 2007/2008 (negative Divergenz, rot markiert) waren Divergenzen zu beobachten. Am Ende der Crash-Bewegung Ende 2008 bzw. Anfang 2009 dann wieder positive Divergenzen.

macd_knowhow_divergenz_181215

Viele Fehlsignale in trendlosen Phasen

Der MACD nimmt eine Sonderstellung unter den Indikatoren ein, weil er einerseits einem Oszillator ähnelt, der um die Mittellinie schwingt und oszillatortypische Handelssignale erzeugt, andererseits ist er aufgrund der Verwendung der gleitenden Durchschnitte ein trendfolgender Indikator. Gerade diese Kombination macht ihn zu einem der beliebtesten Indikatoren in der technischen Analyse.

Nichtsdestotrotz: Den positiven Eigenschaften stehen auch Nachteile gegenüber. Der wesentliche Nachteil des Indikators kommt in trendlosen Phasen zum Vorschein. Hier liefert der MACD häufig Fehlsignale und erweist sich in der Praxis als nicht profitabel.

Auch wenn der MACD schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat: Für Trendfolgestrategien gehört der Indikator in den Werkzeugkasten eines jeden Traders – und das unabhängig davon, ob kurz- oder langfristige Charts analysiert werden. Neben der reinen Crossover-Methode eignet sich vor allem die Divergenzanalyse für das Handeln an den Märkten. Wie bei allen Indikatoren gilt allerdings: Wunder kann auch dieses Instrument allein nicht vollbringen. Erst eine Kombination mit anderen Techniken und ein solides Risk- und Money-Management versprechen nachhaltigen Erfolg.

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Posted on: 21. Dezember 2015, by : David Pieper

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