Know How 03: Nonfarm Payrolls – Warum die US-Jobdaten so wichtig für DAX und Co. sind!

Wirtschaftsdaten als Market Mover – Die Non-Farm Payrolls

An den globalen Finanzmärkten wird weder die Vergangenheit noch die Gegenwart gehandelt, sondern die Zukunft, d.h. die Erwartungen. Diese können die konjunkturelle Entwicklung, Unternehmensgewinne oder die Notenbankpolitik betreffen. Die Marktteilnehmer berücksichtigen neben den bereits verfügbaren Informationen eben diese Erwartungen bei ihren Handelsentscheidungen, sodass mit dem Aufkommen neuer Marktdaten – vor allem unerwartet guter oder schlechter – wiederum neue Handelsaktivitäten ausgelöst werden. Als Maßstab für die Markterwartung dient die sogenannte Konsensprognose, die aus den Schätzungen der befragten Bankvolkswirte ermittelt und von den Nachrichtenagenturen wie Bloomberg oder Reuters publiziert werden.

Wie wirken sich Überraschungen auf die Märkte aus?

Die Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten, ebenso wie Statements der großen Zentralbanken zu geldpolitischen Maßnahmen (Stichwort „Bernanke-Put“ oder Draghi-Rede im September 2012) machen sich an den Finanzmärkten insbesondere bei starken Abweichungen an den Finanzmärkten bemerkbar und das in mehrfacher Hinsicht:

  • Kursniveau: Negative Überraschungen bei Konjunkturdaten sind in der Regel positiv für den Rentenmarkt (Bund Future) und negativ für den Aktienmarkt. Die Reaktion am Aktienmarkt ist allerdings abhängig von der Stellung im jeweiligen Konjunkturzyklus. In der De-facto-Nullzinsphase wie sie aktuell zu beobachten ist, dürften zu gute Konjunkturdaten Ängste vor einem Ausstieg der Notenbanken aus der expansiven Geldpolitik schüren und somit tendenziell negative Reaktionen am Aktienmarkt hervorrufen. Auf diese Weise kann es zur paradoxen Situation kommen, dass de facto schlechte Konjunkturdaten positiv von den Aktienhändlern aufgenommen werden.
  • Spread: Die Geld-Brief-Spanne vergrößert sich – unabhängig davon, ob die Überraschung positiv oder negativ ausfiel.
  • Handelsvolumen: Unmittelbar vor der Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten geht das Handelsvolumen zurück, um dann mit der Bekanntgabe massiv anzusteigen. Ausgelöst wird dieses Phänomen durch die zur Ausführung zahlreicher Stopp- und Limitorders.
  • Volatilität: Analog zum Rückgang des Handelsvolumens im Vorfeld der Ankündigung ist auch eine rückläufige Volatilität zu beobachten. Nach Bekanntgabe überraschend positiver oder negativer Wirtschaftsdaten kommt es zu einem signifikanten Anstieg der Volatilität.

Der US-Arbeitsmarktbericht

Der Wirtschaftsindikator mit der höchsten Marktrelevanz ist der US-Arbeitsmarktbericht. Der Arbeitsmarkt spielt eine zentrale Rolle, da er maßgeblich die Einkommenssituation der privaten Haushalte – dem wichtigsten Akteur der US-Volkswirtschaft – bestimmt und damit auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Zur Messung der Arbeitsmarktsituation existieren gleich mehrere Indikatoren, die von unterschiedlichen Instituten ermittelt und veröffentlicht werden. Als Beispiel sind hier die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenversicherung (Initial Claims) zu nennen.

Der sogenannte Non-Farm Payrolls-Report informiert monatlich (jeweils am 1. Freitag des Monats) über die neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft und die Arbeitslosenquote. Er wird vom Bureau of Labor Statistics (BLS) veröffentlicht und besteht eigentlich aus zwei Teilen. Der Haushaltsbericht, der bereits seit 1940 regelmäßig erstellt wird, repräsentiert die Umfrageergebnisse der privaten Haushalte über das Arbeitskräftepotenzial und die gesamte Beschäftigung, woraus die Arbeitslosenquote hervorgeht. Der eigentliche Kern des NFP-Reports ist aber der Unternehmensbericht, bei dem rund 400.000 Betriebsstätten befragt werden, sodass etwa 40% aller Beschäftigten abgedeckt werden. Der Bericht enthält aufgrund der kurzen Spanne zwischen Erhebung und Veröffentlichung zeitnahe Informationen über die Beschäftigungssituation (Anzahl der neu geschaffenen Jobs) sowie die Entwicklung der Stundenlöhne und die geleisteten Wochenstunden.

Bedeutung für den Finanzmarkt

Die hohe Marktrelevanz lässt sich damit erklären, dass der Bericht viele neue Informationen über eine ganze Reihe von Teilbereichen der Volkswirtschaft enthält. Die Marktteilnehmer legen ihr Augenmerk hierbei v.a. auf die Anzahl der neu geschaffenen Stellen, welche eine sehr hohe Korrelation zum Wirtschaftswachstum aufweisen und daher extrem wichtig für die Notenbankpolitik sind – gerade im laufenden Zyklus!

Tipps für das Trading

Der Handel unmittelbar vor und nach Bekanntgabe wichtiger Wirtschaftsdaten ist mit einem hohen, da unkalkulierbaren Risiko verbunden, weil aufgrund der Unsicherheit und der ungewissen Positionierung der Marktteilnehmer keine Prognose über die Richtung und das Ausmaß des Kursverlaufs möglich ist. Kurzfristig orientierte Trader sollten daher in Betracht ziehen, Positionen mit einem Buchgewinn vor der Veröffentlichung zu schließen, auf jeden Fall aber keine neue Position kurz vor oder nach der Bekanntgabe der Daten zu eröffnen.

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Posted on: 2. Oktober 2015, by : David Pieper