HypnoTrading – So verbessern Sie Ihre Performance

13.11.2016 / 15.00 Uhr

Hypnose genießt bei vielen Menschen noch immer einen eher zweifelhaften Ruf und wird sehr schnell in die Schublade „Esoterik“ gesteckt. Andere Menschen dagegen sind voll und ganz überzeugt von den positiven Effekten, die eine Hypnosetherapie haben kann. Nicht nur wenn es um das Aufhören mit dem Rauchen geht – auch beim Trading setzen viele Profis auf die Macht des Unterbewusstseins. Das im Januar 2016 erschienene Buch mit dem Titel „HypnoTrading“ bietet eine kurzweilige und vor allem sehr praktisch orientierte Einführung in das Thema. Wir haben uns mit der Autorin und Psychologin Catherine Scott (http://www.hypnotrading.co.uk/) über die Funktionsweise der Hypnotherapie, die Probleme beim Trading und Lösungsansätze unterhalten.  

Erzählen Sie uns von Ihrem beruflichen Hintergrund – Wie kam es, dass Sie sich als Hypnotherapeutin auf das Trading spezialisiert haben?
Catherine Stott: Ich arbeitete für ein Forschungs- und Technologie-Unternehmen als Psychologin und entschied mich dann für die Hypnotherapie, weil ich direkt mit Menschen und ihren persönlichen Herausforderungen arbeiten wollte. Im Jahr 2010 arbeitete ich mit meinem ersten Trader und lernte dabei sehr viel über die Thematik und die Ergebnisse unserer Zusammenarbeit waren großartig. Ich schrieb einen Blog-Artikel über ihn und erhielt daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Tradern. Nach der Geburt meiner Kinder beschloss ich, mich mehr auf das Trading zu spezialisieren, weil ich es faszinierend fand und wirklich genoss, Tradern zu helfen, ihre  Schwierigkeiten beim Handel zu überwinden. Im Jahr 2014 habe ich HypnoTrading ins Leben gerufen, um meine Dienstleistungen Tradern Verfügung zu stellen, die vielleicht noch nie etwas von Hypnose und NLP gehört hatten und wie diese Ansätze ihre Performance verbessern können.

Viele Menschen stecken Hypnose noch immer in die „esoterische Ecke“. Was genau ist die Hypnotherapie und welche Ziele verfolgt sie?

Catherine Stott: Hypnose und Hypnotherapie sind stark im Kommen, das sieht man an den zunehmenden Forschungsaktivitäten im Bereich der Neurologie und praktischer Anwendungsmöglichkeiten. Die Zahl der Hypnotherapeuten in medizinischen Einrichtungen steigt, gleichzeitig werden weltweit immer mehr Menschen in diesem Bereich ausgebildet. Hypnotherapie ermöglicht es einer Person, eine Reihe positiver Veränderungen zu schaffen. Verschiedene therapeutische Techniken, die im Hypnosezustand eingesetzt werden, dienen hierbei als Unterstützung. Das Ziel der Hypnotherapie ist die Befähigung des Individuums, die selbst gesteckten Ziele und Ergebnisse zu erreichen. Am bekanntesten ist der Einsatz der Hypnotherapie als Unterstützung bei der Gewichtsabnahme oder beim Aufhören mit dem Rauchen. Sie ist aber auch sehr effektiv beim Umgang mit Stress und Angst, schlechter Stimmung, Traumata und medizinischen Problemen wie RDS (Reizdarmsyndrom).

Die anderen Arten der Therapie nennen sich NLP und Havening – können Sie diese auf kurz und einfach erklären?

Catherine Stott: NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) nutzt eine Reihe von Prinzipien und Techniken, um einer Person bei der Veränderung ihrer Wahrnehmung und Denkweise zu helfen. Ich verwende NLP zum Beispiel oft bei Tradern, um ihnen dabei zu helfen, ihre eigene Reaktion zu beobachten, wenn sie Geld verlieren.

Havening ist eine relativ neue psychosensorische Therapie, die auf der Kraft der Berührung basiert. Wenn wir Stress oder Trauma erleben, setzt unser Körper negative Hormone frei, die wiederum beeinflussen, welche Gefühle wir haben, zum Beispiel Angst. Beim Havening verwendet man daher Berührungen, um die Produktion von Serotonin zu stimulieren. Serotonin ist das „Glückshormon“ des Gehirns, das Stresshormone hemmt. Ich lehre Händler Havening, um ihnen zu helfen, Gefühle der Angst zu reduzieren, große Verluste zu überwinden und an ihrer geistigen Haltung zu arbeiten. Dies ist eine stark vereinfachte Erklärung, interessierte Leser können aber auf www.havening.org mehr zu dieser Therapie erfahren.

Wie sieht der typische Therapieprozess aus, wenn ein Trader einen Hypnotherapeuten wie Sie besucht?
Catherine Stott: Ich mache am Anfang immer eine kostenlose Beratung mit der Person, damit ich  ihre Herausforderungen kennen lerne. Hierzu gehört nicht nur das, was im Handel selbst geschieht, sondern auch ihre persönliche Lebenssituation und -geschichte. Auf dieser Grundlage kann ich dann einen individuellen Plan erstellen, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ich spreche mit dem Händler über diesen Plan und stelle sicher, dass er versteht, was ich von ihm während des Prozesses erwarte. Es ist kein Zauberstab, Sie müssen sie bereit sein, hart zu arbeiten!

Was sind erfahrungsgemäß die wichtigsten Herausforderungen für Trader?
Catherine Stott: Angst und Stress sind ein massives Problem. Schlechte Entscheidungsfindung und der Faktor Vertrauen spielen auch eine Rolle. Die meisten Fehler, die Händler machen oder Probleme, mit denen sie konfrontiert werden, haben auf eine oder andere Weise mit den eben genannten Themen zu tun. Ich arbeite mit Tradern nicht nur, um ein unmittelbares Problem zu überwinden (z.B. Zögern bei Eingehen eines Trades), sondern auch, um herauszufinden, was sich hinter dem jeweiligen Problem verbirgt. Ich gehe der Ursache auf den Grund.

Viele Trading-Bücher trichtern uns ein, dass wir ohne Emotionen handeln sollten, um erfolgreich zu werden. Sie widersprechen hier eindeutig…
Catherine Stott: Das ist ein sehr interessanter Diskussionspunkt! Meiner Meinung nach geben uns unsere Gefühle Feedback darüber, was in unserer Umwelt geschieht. So ist der Mensch beispielsweise darauf programmiert, Angst zu erfahren, um Gefahren zu meiden, die möglicherweise lebensbedrohlich sein könnten. Im Handel müssen Sie daher Ihre emotionale Reaktion verstehen und lernen, diese auch zu kontrollieren. Ich denke, wenn die Leute sagen, sie handeln ohne Emotionen, bedeutet das in Wirklichkeit, dass sie ihre Emotionen kontrollieren. Manche Menschen erleben extreme Angst während Handels. Natürlich ist dies nicht gerade eine gute Sache. Aber diese Angst sagt dem Trader etwas – nämlich, dass er ein Problem hat, das gelöst werden muss! Und dass er sein Angstlevel reduzieren muss.

Ihr Buch „HypnoTrading“ lehrt eine Reihe von Selbsthilfe-Lösungen für Trader. Können Sie uns ein oder zwei Beispiele für einfache Methoden geben, die jeder einsetzen kann, um seine Ergebnisse zu verbessern?

Catherine Stott: Ja, sicher. Die erste einfache Methode ist, an der eigenen Atmung zu arbeiten. Richtiges Atmen verbessert den Sauerstoffspiegel im Körper und im Gehirn, d.h. sie können richtig denken und sich besser konzentrieren. Gleichzeitig verlangsamt sich auch Ihre Herzfrequenz, sodass Sie ruhig und entspannt bleiben können. Atmen Sie ein, während Sie bis 4 zählen und atmen Sie aus, während sie bis 8 zählen. Sollte 8 zu lang sein, zählen Sie bis 6 und bauen Sie die Länge des Ausatmens Schritt für Schritt aus.
Als zweite Methode können Sie Affirmationen nutzen. Dies sollten starke Absichtserklärungen als Händler sein. Ich biete allen Händlern einen kostenlosen, fünfseitigen Guide auf meiner Website an. Einige Beispiele sind:

„Ich verdiene Erfolg.“
„Ich begrüße Fülle und Geld in meinem Leben.“
„Ich akzeptiere Verlusttrades und nehme sie als Chance wahr, zu lernen und mich weiterzuentwickeln.“

Vielen Händlern fehlt es an Disziplin. Wie kann dieses spezifische Problem gelöst werden? Gibt es hierfür spezielle Techniken?
Catherine Stott: Zunächst muss man herausfinden, was Disziplin für den jeweiligen Trader exakt bedeutet. Liegt es zum Beispiel daran, dass er sich nicht an sein vorher definiertes Regelwerk hält? Oder hat er gar überhaupt kein Regelwerk? Sobald man das Verhalten analysiert, bekommt man ein Verständnis dafür, was vor sich geht und welche Veränderungen vorgenommen werden müssen. Für Trader, die selbständig an ihrer Disziplin arbeiten möchten, biete ich im Member-Bereich meiner Website kostenloses Material („Consistency Challenge“ und „100 days towards financial freedom“) zum Download an. Es gibt viele Techniken, die geeignet sind, die Disziplin zu steigern, es gibt aber keinen „one size fits all“ -Ansatz.

Sprechen wir nun über Praxisbeispiele, die viele unserer Leser sicher schon einmal selbst erlebt haben dürften. Wie sollte für den Tag ein Day-Trader vorbereiten und was sollte er während des Handels zu tun? Welche Routine würden Sie empfehlen und warum?

Catherine Stott: Mentale Vorbereitung vor dem Handel ist von entscheidender Bedeutung. Das Erste, was ich empfehlen würde, ist daher eine kurze Hypnose-Sitzung, die dafür sorgen soll, dass der Trader seinen „Ballast“ an der Türschwelle abwirft. Ziel ist also, keine anderen Probleme mit in den Handelsraum zu nehmen. Zweitens empfehle ich, zu verstehen, was Sie für den Tag erreichen möchten. Die Ziele müssen dabei realistisch und flexibel sein. Als dritten Punkt empfehle ich die Visualisierungstechnik, bei der der Trader sich selbst sieht, wie er sein Ziel erreicht und wie gut er sich dabei fühlt.

Was sollte ein Trader tun, wenn er Angst hat, den nächsten Trade zu eröffnen, weil er zuvor einen Drawdown erlitten hat?

Catherine Stott: Er muss in der Lage sein, mit Verlusttrades umzugehen diese schnell zu bewältigen. Wenn ein Trader zu viel Angst erlebt, könnte es sinnvoll sein, den Handel für diesen Tag zu beenden. In meinem Buch „HypnoTrading“ werden viele Techniken vorgestellt, die Trader verwenden können, um sich wieder zu beruhigen und neu zu fokussieren. Es ist auch von entscheidender Bedeutung, Verlust-Trades anzugehen – vor allem, wenn dieser Verlust für von signifikanter und traumatischer Bedeutung für den Trader war.

Was würden Sie einem Trader empfehlen, der immer wieder zu früh aus profitablen Trades aussteigt?
Catherine Stott: Das ist ein massives Problem für viele Händler. In vielen Fällen ergibt sich dieses Verhalten aus schlechter Zielsetzung und Gier. Was ich damit meine ist, dass viele Händler das Ziel verfolgen, den maximal möglichen Profit rauszuholen, anstatt einen Betrag X an Profit zu realisieren. Weil das normalerweise mit dem Faktor Angst verbunden ist (Angst, das Geld zu verlieren oder Geld zu gewinnen), tendieren Trader zu Panik, steigen verfrüht aus und regen sich dann im Nachhinein darüber über dieses Verhalten auf. Wenn ein Trader sich ein realistisches Ziel setzt, dann ist dieses leicht zu erreichen. Das Vertrauen wächst, die eigene Fähigkeiten steigen und als Folge dessen auch die Profitabilität. Trader müssen also ihren Fokus weg von einer vagen Vorstellung eines Maximalgewinns hin zu einer akzeptablen Gewinnhöhe richten.

Und was empfehlen Sie einem Trader, der Probleme mit dem Ausstieg aus Verlust-Trades hat?

Catherine Stott:  Das kommt immer auf das „Was wäre wenn“-Element an und die Hoffnung/Verzweiflung, dass der Trade doch noch dreht. Ebenso auf den Mangel an Entschlossenheit, Zögern und natürlich den Faktor Disziplin. Aus Erfahrung weiß  ich, dass Händler, die entweder kein oder nur ein völlig unangemessenes Risikomanagement haben, diejenigen sind, die mit diesem Problem zu kämpfen haben. Was man also zunächst braucht, ist eine solide Risikomanagement-Strategie und eine gute Zielsetzung. Dann muss der Trader daran arbeiten, seine Entscheidungskraft zu steigern. Suchen Sie sich also eine Handlung aus und ziehen sie diese durch. Beispiel: Sie entscheiden sich für ein Risiko pro Trade von 1,5 Prozent und halten sich Trade für Trade daran. Sie müssen akzeptieren, dass Sie niemals wissen können, wie ein Trade ausgehen wird. Nur eines können Sie wissen: den Betrag, den sie zu riskieren bereit sind. Das gleiche gilt für das Gewinnziel. Das Risiko ist Realität, die Angst ist in Ihrem Kopf. Wenn Sie die ganze Zeit Angst haben, etwas zu verpassen, dann werden Sie unweigerlich größere Verluste anhäufen, indem Sie etwas nachjagen, das noch gar nicht existiert und eventuell auch nie existieren wird.

Affirmationen und Visualisierung des Verhaltens, das Sie anstreben und eine exzellente Planung in Kombination mit Tools wie der zuvor erwähnten „Consistency Challenge“ können hier Abhilfe schaffen. Es ist und bleibt harte Arbeit, aber Hypnotherapie kann diese einfacher machen und Tradern die mentale Einstellung und das Vertrauen geben, um ihnen bei der Verbesserung der Trading-Performance zu helfen. Ich biete ein MP3-basiertes Programm an, das Lösungsansätze gegen das Zögern-Problem aufzeigt. Viele Trader sagen mir, dass es ihnen dabei geholfen hat, entscheidungsfreudiger sowohl beim Ein- als auch Ausstieg zu werden und dass diese verbesserte Entschlossenheit dazu führt, dass sie Geldbeträge, die einem Risiko ausgesetzt sind, geschützt werden und die Anzahl der profitablen Trades steigt.

Ohne die Analyse des eigenen Handels und Selbstreflexion ist eine Verbesserung der Performance ausgeschlossen. Hierbei spielt das Trading-Journal eine zentrale Rolle. Welche mentalen bzw. psychologischen Aspekte sollten hier notiert werden?

Catherine Stott: Dokumentieren Sie dort, was in Ihrem Leben passiert, wie Sie sich von Tag zu Tag fühlen – sowohl physisch als auch geistig und emotional. Schauen Sie dann, wie Sie gehandelt haben: die guten und die schlechten Entscheidungen sowie die Trades, die zwar keine Fehlentscheidung, aber dennoch ein Verlust waren. Sie werden langsam beginnen, bestimmte Muster zu erkennen. Ich habe mit einem Trader gearbeitet, dessen Vater kurz vorher verstorben war. Er war sich nicht bewusst, wie seine Trauer seinen Handel beeinflusste, weil er der Überzeugung war, diese beiden Dinge trennen zu können. In Wirklichkeit konnte er es eben nicht und es ist auch sehr schwer zu schaffen. Also arbeiteten wir in der Zwischenzeit gemeinsam daran, ihm durch ihre Trauer zu helfen und Schutzstrategien zu entwickeln. Ich würde auch immer schriftlich festhalten, wie ich mich nach jedem Trade gefühlt habe, ob ich dachte, meine Haltung positiv oder negativ war und ob ich im Anschluss gute Entscheidungen getroffen habe.

Wie sollten sie kategorisiert werden, um eine sinnvolle Analyse im Anschluss zu ermöglichen?

Catherine Stott: Ich glaube nicht, dass es hier ein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Ich denke, wenn Sie die wichtigen Aspekte dokumentieren und anschließend reflektieren, was Sie notiert haben, erkennen Sie die Antwort ganz von alleine. Machen Sie es sich nicht zu kompliziert.

Sehen Sie einen großen Vorteil darin, wenn Trader vom diskretionären hin zum algorithmischen Trading wechseln? Ist letzteres die perfekte Lösung für psychologische Herausforderungen?
Catherine Stott: Verschiedene Stile und Methoden passen zu verschiedenen Menschen. Für manche Menschen passt der Handel auf kürzeren Zeitebenen, für andere ist wiederum die längere Time Frame eher geeignet. Für manche ist diskretionäres Trading das Richtige, für andere dagegen algorithmischer Handel. Aus diesem Grund ist es so wichtig, verschiedene Trading-Stile zu erforschen und mit verschiedenen Coaches zu arbeiten, um herauszufinden, welche Art für Sie die richtige Lösung ist.

Letzte Frage: Sind Hypnotherapeuten gute Händler? 😉
Catherine Stott: Die besten natürlich 😉 … wahrscheinlich.

 

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Posted on: 13. November 2016, by : David Pieper

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