Behavioral Finance – Warum wir immer wieder in die Falle tappen (Teil 4/6)

16.4.2017

Zusammenhänge, die es gar nicht gibt

Ein anderes Phänomen zur schnellen Urteilsfindung ist die sogenannte Repräsentativitätsheuristik. Repräsentativität lässt sich am einfachsten mit dem Begriff „Schema“ erklären. So hat jeder Mensch eine Vielzahl von Schemata im Kopf, die er sich durch Erfahrungen oder durch Lernen angeeignet hat. Ein Experiment von Daniel Kahneman und Amos Tversky liefert das perfekte Beispiel dafür:

Mehrere Versuchspersonen erhalten eine schriftliche Beschreibung einer Frau namens Linda, die sich aktiv für Frauenrechte und Emanzipation einsetzt. Danach werden sie gefragt, welche der beiden Aussagen wahrscheinlicher ist:

  • Bei Lisa handelt es sich um eine Bankangestellte
  • Lisa ist eine Bankangestellte und Feminstin

Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die Mehrzahl der Versuchspersonen schätzte die Wahrscheinlichkeit der zweiten Option deutlich höher ein. Dabei ist dies falsch, schließlich ist die Wahrscheinlichkeit für das gleichzeitige Auftreten beider Ereignisse kann nicht größer sein als die Wahrscheinlichkeit, dass nur eines der beiden Ereignisse alleine eintritt.

Da das menschliche Gehirn dafür gemacht ist, Muster intuitiv zu erkennen, führt uns das Denksystem oft in die Irre. So ist zu beobachten, dass Menschen Wahrscheinlichkeiten von repräsentativen Ereignissen überschätzen. Hier ein anderes Beispiel:

Welche Folge von Münzwürfen ist wahrscheinlicher ist (K=Kopf, Z=Zahl):

  • KKKK
  • …oder KZZK?

Die meisten Versuchspersonen halten die letztere Konstellation für wahrscheinlicher. Statistisch betrachtet handelt es sich jedoch um jeweils unabhängige Ereignisse. Die Wahrscheinlichkeit für beide Szenarien beträgt 0,5 4 =6,25 %.

Ebenso werden häufig empirische und kausale Zusammenhänge überbewertet bzw. auch dann gesehen, wenn gar keine vorhanden sind. Letzteres kann mit dem in Teil 1 der Artikelserie beschriebenen Kontrollbedürfnis in Verbindung gebracht werden. An der Börse trifft man fast täglich auf dieses Phänomen, vor allem bei Chartvergleichen, die zwar optisch betrachtet einen Zusammenhang zeigen, in Wahrheit aber nur so zusammengeschustert wurden, um eine Kausalität vorzugaukeln. Auch TV-Kommentatoren, die eine bestimmte Börsenbewegung im Nachhinein erklären, wird immer wieder verkrampft nach Zusammenhängen gesucht, damit erst eine richtige „Story“ entsteht, die für den Fernsehzuschauer Sinn ergibt. Nach dem Motto: Weil der Ölpreis heute gestiegen ist, fiel der DAX. Wenn am nächsten Tag sowohl DAX als auch Öl steigen, sucht man sich einen anderen Grund. Oder man wertet den Ölpreisanstieg als positiv, schließlich sei dier ja so etwas wie ein Konjunkturindikator 😉

Im nächsten Teil der Serie geht es um den Dispositionseffekt.

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Posted on: 15. April 2017, by : David Pieper

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